Wirtschaft : IWF nimmt jetzt Bewerbungen an Bis 30. Juni soll ein neuer Direktor gefunden sein

Washington/Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) will bis zum 30. Juni einen Nachfolger für den wegen versuchter Vergewaltigung angeklagten Ex-Direktor Dominique Strauss-Kahn gefunden haben. Das teilte die Organisation in Washington mit. Die Nominierungsphase für Bewerber laufe bis 10. Juni. Als Favoritin gilt die französische Finanzministerin Christine Lagarde.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ließ erneut durchblicken, dass sie Lagarde für geeignet hält – das sei aber keine „Bestätigung einer Kandidatur“. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier warf Merkel mangelnden Einsatz für einen deutschen Kandidaten vor. Merkel will nach dem Rücktritt Strauss-Kahns auch künftig einen europäischen IWF-Chef. „Es gibt eine breite Unterstützung dafür, dass Europa einen Kandidaten aufstellt“, sagte sie am Samstag bei der CSU-Vorstandsklausur im Kloster Andechs.

Der IWF veröffentlichte in der Nacht zum Samstag auch die Bedingungen für eine Kandidatur. Demnach muss der künftige Direktor aus einem der Mitgliedsländer stammen. Er sollte über große Erfahrung in der Gestaltung von Wirtschaftspolitik sowie über tiefgreifende diplomatische Fähigkeiten verfügen.

Nach Ansicht europäischer Regierungen sollte wie üblich ein Europäer an die Spitze der Sonderorganisation der Vereinten Nationen rücken. Allerdings melden auch Schwellenländer wie China und Indien ihren Anspruch an. Die USA als größter Anteilseigner haben sich in der Nachfolgediskussion bislang neutral geäußert. Die US-Regierung unterstütze Kandidaten, die in einem offenen Auswahlprozess gefunden würden und eine Mehrheit hinter sich versammeln könnten, teilte das Finanzministerium mit.

Der zurückgetretene Dominique Strauss-Kahn ist inzwischen aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Der 62-Jährige wurde nach Angaben der New Yorker Behörden am Freitag einer Sicherheitsfirma anvertraut, die für seine Überwachung zuständig ist.

Derweil gab der IWF wie erwartet Milliardenhilfen für das von der Pleite bedrohte Portugal frei. Portugal erhält in den kommenden drei Jahren rund 26 Milliarden Euro. Das ist ein Drittel des vereinbarten 78 Milliarden Euro schweren Hilfspaketes. Auf rund 6,1 Milliarden Euro könne das südeuropäische Land sofort zugreifen. Portugal ist nach Griechenland und Irland das dritte Euro-Land, das am Finanztropf von EU und IWF hängt. dpa/rtr

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