Wirtschaft : IWF revidiert Prognose nach unten

BONN/WASHINGTON/SEOUL (AFP/rtr).Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in den nächsten Monaten eher düster und von großen Unsicherheiten geprägt.In ihrem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick nehmen die IWF-Experten ihre Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft in diesem Jahr auf zwei Prozent zurück.Das ist ein voller Prozentpunkt weniger als bei der letzten Schätzung vor einem halben Jahr und weniger als die Hälfte des noch vor einem Jahr erwarteten Wachstums von 4,3 Prozent.

"Die Chancen für entscheidende Verbesserungen 1999 haben sich ebenfalls vermindert, und die Gefahren eines tieferen, breiteren und längeren Abschwungs haben zugenommen", heißt es in dem Bericht.Für 1999 rechnet der IWF nur noch mit 2,5 Prozent Wachstum."Tatsächlich ist aber auch ein wesentlich schlechteres Ergebnis möglich."

Für Deutschland erwarten die IWF-Experten für dieses Jahr ein Wachstum von 2,6 Prozent, 0,1 mehr als vorausgesagt.1999 soll die deutsche Wirtschaft um 2,5 Prozent wachsen.Für die Euro-Staaten rechnet der IWF mit 3,0 Prozent Wachstum in diesem und 2,8 Prozent im kommenden Jahr.Insgesamt seien die Startbedingungen für den Euro "vielversprechend".In den USA werde das Wachstum sich weiter verlangsamen, und es werde eine weiche Landung ohne Rezession geben.Die Daten für 1998 lauten 3,5 Prozent (0,6 mehr als bisher prognostiziert) und 2,0 für 1999 (minus 0,2).

Als besonders heikel schätzen die IWF-Experten die Lage in Rußland, Indonesien und Japan ein.Die japanische Wirtschaftsleistung werde in diesem Jahr um 2,5 Prozent zurückgehen und 1999 nur um 0,5 Prozent wachsen.Die Rußlandkrise und die einseitigen Umschuldungen hätten die meisten Schwellenländer und die weltweiten Aktienmärkte getroffen."Ein Schlüsselproblem ist, daß die Finanzmärkte angesichts solcher Schocks zu Panik und Herdentrieb neigen und, wie in Zeiten von Hochstimmung, nicht zwischen Ländern mit starken und schwachen Grunddaten unterscheiden", schreiben die IWF-Experten.Problematisch sei auch der Kapitalabfluß aus vielen lateinamerikanischen Ländern.

Eine positive Entwicklung mit maßvollen Wachstumsraten hänge von zahlreichen, einander oft bedingenden und beeinflussenden Voraussetzungen ab.Dazu gehöre die konsequente Umsetzung der Strukturreformen in den asiatischen Krisenländern, vor allem aber in Japan mit seiner Schlüsselrolle für die ganze Region.Voraussetzung seien ferner eine schrittweise Rücknahme der hohen Zinsspannen in vielen Schwellenländern und der Rückfluß von Kapital nach Lateinamerika, Osteuropa, Afrika und in den Nahen Osten."Rußland muß die Disziplin in der Geldpolitik wiederherstellen, steuerliche Lebensfähigkeit erreichen, sein Bankensystem erneuern und das Vertrauen ausländischer Kreditgeber wiedergewinnen", fordert der IWF.Gleichzeitig unterstreichen die Experten die Notwendigkeit, das internationale Finanzsystem wesentlich stabiler und funktionsfähiger zu machen.Die Finanzlage der beteiligten Länder, Unternehmen und Institutionen müsse noch transparenter werden.Ziel sei unter anderem eine realistische Risikoabwägung bei starken Marktbeweglichkeiten.Der IWF warnt seine Mitgliedsländer vor protektionistischen Maßnahmen angesichts krisenhafter Entwicklungen.Dies würde ihre langfristigen Entwicklungsaussichten nur verschlechtern.Der japanische Finanzminister Kiichi Miyazawa kündigte unterdessen am Mittwoch in Tokio an, Japan werde den angeschlagenen Krisenländern in Asien ein Hilfspaket in Höhe von 50 Mrd.DM anbieten.Vorgesehen ist, daß die japanische Export-Import-Bank Bürgschaften für Kredite an diese Länder übernehme sowie Staatsanleihen dieser Staaten kaufe.Die Hilfsgelder sollten genutzt werden, um die Unternehmen in den südostasiatischen Staaten zu stärken und ein sicheres soziales Netz zu etablieren.

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