Wirtschaft : IWF: Stärkstes Wachstum in diesem Jahrzehnt

Niedrige Zinsen und Inflationsraten sorgen weltweit für Aufschwung / Währungsfonds beurteilt Euro positiv

BONN (wei).Das Wachstum der Weltwirtschaft beschleunigt sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) weiter.In diesem und im nächsten Jahr erwartet der Fonds eine globale Zunahme der Wirtschaftsleistung von 4 bis 4,5 Prozent.Das wäre das stärkste Wachstum in den 90er Jahren.Zur Begründung verweist der IWF vor allem auf die weltweit niedrigen Zinsen und Inflationsraten.In vielen Ländern Osteuropas ist die Anpassungskrise inzwischen überwunden und die Grundlage für ein Aufholen gegenüber den westlichen Industrieländern gelegt. Trotz des Einbruchs in einzelnen Schwellenländern bleibt Asien in diesem Jahr mit einem Wachstum von mehr als 7 Prozent an der Spitze der Weltkonjunktur.Positive Impulse gehen auch von Großbritannien und Nordamerika aus, wo das Wachstum mehr als 3 Prozent erreicht.Für Deutschland prognostiziert der IWF in diesem Jahr eine Zunahme des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,3 und im nächsten Jahr um 2,8 Prozent.Deutschland werde die Verschuldungsgrenze des Maastricht-Vertrages voraussichtlich leicht überschreiten, 1998 aber darunter bleiben.Dagegen werde dies in Frankreich oder Italien nur möglich sein, wenn zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden.Die Einführung des Euro wird vom IWF grundsätzlich positiv beurteilt.Sie werde Europa zu einem "besseren Investitionsstandort" machen.Seit dem Abschluß des Vertrages von Maastricht seien erhebliche Fortschritte bei der Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und bei der Angleichung der Zinsen erzielt worden.Welche Rolle der Euro in der Weltwirtschaft spielen wird, hängt nach Ansicht des IWF von der Geld-, Wirtschafts- und Finanzpolitik der Währungsunion ab.Es spreche aber viel dafür, daß der Euro sich zu einer internationalen Reservewährung entwickeln und das Gewicht der Europäischen Union in der Weltwirtschaft stärker zur Geltung bringen werde.Die Mitglieder der Währungsunion hätten mehr Spielraum für eine unabhängige, an binnenwirtschaftlichen Zielen orientierte Politik.Allerdings könne die Arbeitslosigkeit nur mit durchgreifenden Reformen abgebaut werden.Die mangelnde Flexibilität der Arbeitsmärkte sei eine schwere Belastung für die Währungsunion.Sie müsse durch einschneidende Änderungen der Arbeits- und Sozialgesetze verbessert werden.Die Europäische Währungsunion wird ein wichtiges Thema auf der diesjährigen Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank sein, zu der Bundesfinanzminister Theo Waigel und Finanzstaatssekretär Jürgen Stark nach Hongkong reisen. In Bonn wird im Vorfeld der Tagung darauf hingewiesen, daß der IWF rasch an den Rand seiner Möglichkeiten kommen könne, wenn weitere Länder seine Hilfe in Anspruch nehmen müßten.Thailand hatte kürzlich einen Kredit von 17 Mrd.Dollar erhalten.Die Deutschen unterstützen deshalb grundsätzlich die Idee, dem IWF-Management zusätzliche Kompetenzen für Krisenfälle zu geben.Die Tagung in Hongkong müsse die Bedeutung eines freien Kapitalverkehrs für die Weltwirtschaft unterstreichen.In Hongkong ist nach Ansicht der Bundesregierung eine Einigung über die seit zwei Jahren diskutierte Kapitalaufstockung des Fonds möglich.Sein Exekutivdirektor Michel Camdessus ist von seinem ursprünglichen Plan einer Verdoppelung allerdings abgerückt.Die USA wollen allenfalls einer Anhebung der Quoten um 30 Prozent zustimmen. Außerdem werden die IWF-Mitglieder über einen neuen Schuldenerlaß für arme Entwicklungsländer beraten.Die Manager von IWF und Weltbank schlagen neue Entlastungsmaßnahmen für Bolivien, Burkina Faso und Uganda in Höhe von 900 Mill.Dollar vor.Im Gespräch sind außerdem Erleichterungen für Mosambik, Guyana und die Elfenbeinküste.Das bisherige Vorgehen, "pragmatisch und flexibel" auf die Probleme der armen, hochverschuldeten Länder einzugehen, hat sich nach deutscher Einschätzung bewährt.

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