Wirtschaft : IWF und Weltbank: "Zwei Tage sind zu kurz"

lou

Der indische Exekutivdirektor der Weltbank, Balmiki Prasad Singh, bedauert, dass die Jahrestagung von IWF und Weltbank Ende September von einer Woche auf nur zwei Tage reduziert worden ist. "Man kann darüber nur traurig sein", sagte Singh im Gespräch mit dieser Zeitung. Gleichzeitig zeigte er jedoch Verständnis für die Entscheidung der Polizei und der US-Behörden, Sicherheitsbedenken den Vorrang zu geben. "Eine zermürbende Konfrontation über sieben Tage kann am Ende der Grund für Gewalt sein."

Singh vertritt im Exekutivdirektorium der Weltbank, einer Art Aufsichtsrat, neben Indien auch Bangladesh, Bhutan und Sri Lanka. Indien hält in diesem Jahr den Vorsitz des Development Committee, des höchsten Gremiums der Weltbank. Singh bedauert, dass die Seminare, die bisher Teil der Jahrestagung waren, nun wegen der verkürzten Tagungsdauer ausfallen. "Besonders für Entwicklungsländer waren diese Vorträge und Diskussionen zu entwicklungspolitischen Fragen immer sehr hilfreich", sagt Singh. Er hoffe deshalb, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt in diesem Jahr nachgeholt werden. "Das muss nicht in Washington sein, es könnte ja auch genauso gut in einem Entwicklungsland stattfinden", so Singh. Es gebe dafür derzeit jedoch noch keine konkreten Pläne in der Weltbank oder dem Internatonalen Währungsfonds.

Der indische Vertreter ist nicht der Meinung, dass die Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) tatsächlich die Interessen der Entwicklungsländer vertreten. Er führt Mahatma Ghandi an, der als einer der bedeutendsten NGO-Führer drei Prinzipien für Nicht-Regierungsorganisationen formuliert habe. Demnach könnten NGOs soziale Dienste effektiver organisieren als Regierungen, sie seien transparenter und vom Volkswillen getragen. "Die NGOs von heute sind weder effektiver noch transparenter", sagt Singh.

"NGOs, die Treffen verhindern, wo Maßnahmen zur Redzierung der Armut von Entwicklungsländern diskutiert werden, repräsentieren nicht die Interessen der Armen", kritisiert Singh. Viele NGO-Vertreter könnten zudem die Nöte derjenigen nicht nachvollziehen, die mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen müssen. "Ich glaube nicht, dass sie die Probleme verstehen", sagte Weltbankdirektor Singh. "Sie haben noch nie in Bangladesh, Indien oder Sri Lanka gelebt und könnten all die Entbehrungen der Menschen dort noch nicht mal einen Monat lang aushalten."

Singh kritisiert die Neigung der sieben reichsten Industrienationen (G7), die Weltbank dazu zu nutzen, ihre eigenen politischen Vorstellungen in den Entwicklungsländern durchzusetzen. Zwar habe er Verständnis für die Sorge der G7, dass einige Hilfsgelder in den Taschen der Regierungen von Entwicklungsländern verschwänden. Die Gruppe dürfe sich jedoch nicht in alle Details einmischen. Vor einigen Tagen etwa habe das Exekutivdirektorium der Weltbank einen Vorschlag besprochen, wie das Militär in Kambodscha demobilisiert werden könne. Geplant sei eine Beratung der Verantwortlichen vor Ort. Singh habe dafür votiert, dass lokale Kräfte diese Aufgabe übernehmen, die mit der Kultur vertraut sind. "Da kann man doch keine Leute aus Washington hinschicken, egal an welcher Eliteuniversität sie auch promoviert haben mögen." Das Exekutivdirektorium habe jedoch genau das beschlossen.

Den Vorschlag der Bush-Regierung, die Hälfte der Weltbank-Kredite an einige Entwicklungsländer durch Zuschüsse zu ersetzen, hält Singh für "sehr schön". Es stelle sich allerdings die Frage, wer die Kosten trägt, wenn die Entwicklungsländer die Gelder, die sie erhalten, nicht mehr zurückzahlen müssten. "Die Bush-Regierung sollte sehr bald klar machen, dass die Industrieländer dafür aufkommen, dann bin ich absolut für diesen Vorschlag." Es könne aber nicht sein, dass die armen Länder gegenseitig für ihre Hilfe zahlen müssten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben