Wirtschaft : IWF will Vertrauen erneuern Lagarde warnt vor Knappheit bei Krediten

Washington - Die Mitgliedsstaaten des Internationalen Währungsfonds (IWF) wollen gemeinsam Gefahren für die Weltwirtschaft durch die jüngsten Krisen bekämpfen. Auch wenn die Situation bei den Mitgliedern sehr unterschiedlich sei, seien ihre Volkswirtschaften doch eng vernetzt, hieß es in einer am Samstag veröffentlichten Erklärung beim Jahrestreffen von IWF und Weltbank in Washington. „Wir werden deshalb gemeinschaftlich handeln, um Vertrauen und finanzielle Stabilität wiederherzustellen und das Wachstum wiederzubeleben.“ Die 17 Länder der Euro-Zone verpflichteten sich dabei gegenüber den anderen IWF-Mitgliedern, „alles Notwendige“ zu tun, um die Schuldenkrise in Europa in den Griff zu bekommen.

IWF-Chefin Christine Lagarde ihrerseits warnte davor, dass die finanziellen Mittel des IWF nicht ausreichen könnten, um eine große Krise zu bekämpfen. Zwar verfüge die Organisation über fast 298 Milliarden Euro, die an notleidende Staaten verliehen werden könnten, sagte Lagarde. Doch dies könne sich als zu wenig angesichts der möglichen finanziellen Bedürfnisse von angeschlagenen Ländern erweisen.

Unterdessen könnte Griechenland für Europas Banken zu einem Fass ohne Boden werden. Die Institute müssen sich darauf einstellen, dass sie deutlich weniger von dem Geld zurückbekommen, das sie dem hoch verschuldeten Euro-Land geliehen haben, als noch im Sommer bei der Vereinbarung des Rettungspakets gedacht, warnte die Deutsche Bank am Wochenende. Die Bank rechnete vor, dass sich die Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen wegen der inzwischen gestiegenen Renditen nicht nur auf die ausgehandelten 21 Prozent belaufen, sondern de facto auf 25 Prozent und mehr.

Die Berechnungen der Bank verstärkten am Samstag die Angst vor neuen Schieflagen im Bankensektor. Der IWF schätzt, dass die Banken ein Kapitalloch von mindestens 200 Milliarden Euro haben, manche Analysten gehen sogar noch weiter. Ein ranghoher Manager einer US-Investmentbank sagte der Nachrichtenagentur Reuters, dass europäische Banken aus Sicht des Marktes stark unterkapitalisiert sind und dass ihnen wegen dieses Vertrauensverlustes Liquiditätsprobleme drohen. Gleichzeitig seien ihre Möglichkeiten zur Kapitalbeschaffung sehr begrenzt, womöglich bleibe ihnen nur der Verkauf von Vermögenswerten.

Wie mehrere Banker in Washington sagten, steht derweil die Nachfolge von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann an der Spitze des Weltbankenverbands IIF fest. Der Chairman des britischen Geldhauses HSBC, Douglas Flint, wird voraussichtlich im Juni 2012 das Amt übernehmen. AFP/rtr

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