Wirtschaft : IWF drängt Regierung zu mehr Reformen Fonds senkt Wachstumsprognose auf 0,3 Prozent

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Berlin - Der Internationale Währungsfonds (IWF) rät Deutschland, es mit dem Sparen nicht zu übertreiben. Angesichts des schwachen Konjunkturumfelds wäre das nicht wünschenswert, schreiben die Ökonomen der Organisation in ihrem neuen Deutschland-Bericht, den sie am Montag in Berlin vorgestellt haben. Darin trauen sie der Bundesrepublik kaum noch Wachstum zu – sie halbierten ihre Prognose für das Bruttoinlandsprodukt für dieses Jahr von 0,6 auf 0,3 Prozent.

„Deutschland ist für Europa ein Stabilitätsanker“, sagte IWF-Experte Subir Lall. Das Land habe zudem die Ziele der Etat-Konsolidierung bereits erfüllt. Die leicht expansive Fiskalpolitik für dieses Jahr sei angemessen. Zumal ein Aufschwung nicht in Sicht ist. „Das Wachstum dürfte 2013 schwach bleiben“, heißt es in dem Bericht, den der IWF einmal jährlich für jedes seiner 188 Mitgliedsländer erstellt. Eine Erholung werde es in der zweiten Jahreshälfte geben. Die geringen Investitionen der Unternehmen sowie die Unsicherheiten im Rahmen der Euro-Krise verhinderten einen noch robusteren Aufschwung. Auch für 2014 ist der IWF pessimistischer. Die erst kürzlich abgegebene Wachstumsschätzung von 1,5 Prozent werde Deutschland wohl nicht ganz erreichen, erklärte Lall. Wahrscheinlich seien nur 1,3 Prozent.

Für die Zukunft verlangte der IWF von der Bundesregierung weitere Reformen vor allem in der Steuer- und Familienpolitik. Diese seien von „hoher Wichtigkeit“, heißt es in dem Bericht. Es gehe vor allem darum, angesichts der Alterung der Gesellschaft genügend Arbeitskräfte zu mobilisieren, befand IWF-Experte Lall. Dazu müsse die Betreuung von Kindern verbessert werden. Generell müsse der Staat herausfinden, was die Leute vom Kinderkriegen abhalte. Zudem machte sich der Fonds für eine erleichterte Zuwanderung von Facharbeitern sowie Steuererleichterungen für Geringverdiener stark.

Der IWF ermutigte Deutschland, eine Führungsrolle im Euro-Raum zu übernehmen und seine Vorstellungen einer wirtschaftlichen und finanzpolitischen Integration „klar zu artikulieren“. Dies könne die Erwartungen in der Euro-Zone stabilisieren. Carsten Brönstrup

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