IWH-Studie : Euro-Krise trifft Ostdeutschland stärker

Der Westen wächst, der Osten stagniert. Grund ist die unterschiedliche Abhängigkeit von Europa.

Luca Spinelli
Lack ab. Im Osten werden viele Vorleistungsgüter wie Lacke oder Schmierstoffe hergestellt. Seit Beginn der Euro-Krise ist die Nachfrage danach stark gesunken.
Lack ab. Im Osten werden viele Vorleistungsgüter wie Lacke oder Schmierstoffe hergestellt. Seit Beginn der Euro-Krise ist die...Foto: picture alliance / dpa-tmn

Die wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland wird in diesem Jahr zum wiederholten Male hinter das Wachstum des Westens zurückfallen. Entgegen einem gesamtdeutschen Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent, werden die neuen Bundesländer 2013 lediglich stagnieren. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) in einer aktuellen Studie.

Seit 2010 liegen die Zuwachsraten in Ostdeutschland unter denen im Westen Deutschlands, zuletzt 2012 mit 0,3 Prozent im Osten und 0,7 Prozent im Westen. Als einen Grund für die unterschiedliche Entwicklung nennen die Wissenschaftler die Struktur ostdeutscher Unternehmen. „Die ostdeutsche Wirtschaft ist stärker als im Westen auf die Produktion von Vorleistungsgütern spezialisiert“, erklärt der Ökonom Axel Lindner vom IWH. Solche Güter, wie Schmieröle oder Elektromotoren, die zur Produktion weiterer Produkte notwendig sind, werden vor allem ins europäische Ausland exportiert. „Dadurch trifft die Euro-Krise den Osten stärker“, sagt Lindner. Die westdeutsche Wirtschaft hingegen produziert in größerem Umfang Investitionsgüter, die zu einem großen Teil auch in Märkten außerhalb der Europäischen Union abgesetzt werden würden.

Die erste Jahreshälfte war zudem geprägt vom harten Winter und einem sehr niedrigen Auftragseingang. Für die weitere Jahreshälfte erwartet das IWH jedoch eine Stabilisierung. Die Auftragseingänge haben laut Institut ihren Tiefpunkt bereits überschritten und auch die Nachfrage nach Vorleistungsgüter wird voraussichtlich wieder anziehen. Alles in allem erwarten die Forscher für das ostdeutsche Wirtschaftswachstum eine Null zum Jahresende.

Ebenso verantwortlich für das schwächere Wachstum im Osten ist die Bevölkerungsentwicklung, die sich auch in Zukunft weiter negativ auswirken wird. Zum einen verursacht ein Rückgang der Bevölkerung analog zurückgehende Güternachfrage. Zum anderen wirken sich zukünftige demografische Effekte bereits heute auf das Investitionsniveau aus, schreiben die Wissenschaftler. Die ostdeutschen Länder sind zu einem schärferen Konsolidierungskurs gezwungen, weil sie mit weniger Steuereinnahmen rechnen. Auch Unternehmen erwarten geringere Einnahmen und investieren entsprechend weniger. Um dem schwindenden Arbeitsangebot entgegenzuwirken, schlägt Lindner den Ausbau der öffentlichen Infrastruktur in ostdeutschen Ballungsgebieten vor. Das vergrößere dort die Zahl potentieller Arbeitskräfte, weil auch Pendler aus dem Umland verfügbar wären.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben