Wirtschaft : Jack White geht wieder ins Studio

Musikproduzent räumt Vorstand für Thomas Stein

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der Berliner Musikunternehmer und Firmengründer Jack White (65) zieht sich als Vorstandsvorsitzender zurück. Neuer Chef des Unternehmens wird von März an der Ex-Bertelsmann-Manager Thomas Stein (56). Der frühere Deutschland-Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG ist seit September 2005 stellvertretender Aufsichtsratschef.

„Die Rückkehr von Thomas Stein ins operative Geschäft ist ein Sechser im Lotto für uns“, sagte Jack White am Dienstag dem Tagesspiegel. Seine Erfahrung und seine Erfolge in der Vergangenheit seien für Jack White ein Glücksfall. „Und ich kann mich endlich wieder mehr um die Künstler und die Musik kümmern“, sagte White. Der Firmengründer bleibt im Vorstand und übernimmt die Leitung der Musikproduktion. Der für diesen Bereich bisher verantwortliche Vorstand Klaus Munzert (50) scheidet Ende Januar aus. Er wird für das Unternehmen aber weiter als freier Produzent arbeiten. Finanzvorstand des Unternehmens bleibt Whites Sohn Frank Nußbaum (41).

Jack White, mit bürgerlichem Namen Horst Nußbaum, hat das seit 1999 an der Börse notierte Unternehmen zu einem der erfolgreichsten Musikproduzenten und Lizenzhändler Deutschlands gemacht. White verkaufte bis heute mehr als 500 Millionen Tonträger und zählt über 300 Gold- und Platin-Schallplatten. Mit mehr als 100 000 Lizenzrechten ist das Unternehmen einer der größten unabhängigen Musiklizenzrechteinhaber. Zu Whites größten Erfolgen gehören Evergreens wie „Schöne Maid“ oder „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ und Hits mit Tony Marshall, Jürgen Marcus, Hansi Hinterseer, David Hasselhoff („Looking for freedom“) oder Laura Branigan („Gloria“). Im Tagesspiegel-Interview hatte White zudem unlängst angekündigt, anlässlich der Fußball-WM ein Remake seines Hits „Fußball ist unser Leben“ auf den Markt zu bringen.

2006 will die im Prime Standard gelistete Jack White Productions AG auch erstmals eine Dividende zahlen. Im vergangenen Geschäftsjahr war White mit einem kleinen Team von neun Angestellten in den ersten neun Monaten ein Gewinnsprung von 100 Prozent auf 2,8 Millionen Euro gelungen. 2004 lag der Gewinn bei einem Umsatz von 27,9 Millionen Euro bei 2,6 Millionen Euro.

Mit dem Wechsel an der Unternehmensspitze verbindet sich nach Auskunft von White auch eine neue Strategie: „Wir werden ambitionierter wachsen“, sagte er dem Tagesspiegel. Thomas Stein habe noch enge Verbindungen in die Musikbranche, die man intensivieren werde. „Wir wollen künftig versuchen, große Künstler, Plattenfirmen und Produzenten an uns zu binden.“ Der Ex-BMG-Chef habe den „Ehrgeiz, nicht nur seinem ehemaligen Arbeitgeber Marktanteile abzujagen“. Stein sei ins operative Geschäft eingestiegen, „um die Company groß zu machen.“

Die Jack-White-Aktie stieg am Dienstag um 3,8 Prozent auf 8,80 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben