Wirtschaft : Jack White sucht den Superstar

Geschäft der Berliner Musikfirma bricht ein

Henrik Mortsiefer

Berlin - Große Enttäuschung beim Berliner Musikproduzenten und -vermarkter Jack White (JWP): Das börsennotierte Unternehmen ist 2006 nach einem Umsatzeinbruch tief in die roten Zahlen gerutscht. Absatzprobleme und Abschreibungsbedarf im US-Geschäft sowie Einbußen auf dem deutschen Musikmarkt setzten der Traditionsfirma schwer zu. Für das laufende Geschäftsjahr gab sich Alleinvorstand Thomas Stein am Freitag dennoch optimistisch. „Die Existenzkrise ist vorerst überstanden“, sagte Stein in München. Es ist sogar von „Übernahmen und Kooperationen“ die Rede. Einen neuen Finanzvorstand hat JWP noch nicht gefunden. Die Aktie stieg um 4,6 Prozent auf 2,30 Euro.

Als ersten Expansionsschritt mitten in der Krise wertet Stein die Beteiligung (51 Prozent) an der Berliner Künstleragentur 313 Music. Sie betreut unter anderem die Finalisten der aktuellen Staffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Ex-Bertelsmann-Manager Stein war dort in der Vergangenheit als Juror bekannt geworden. 313 Music erzielte 2006 einen Umsatz von rund einer Million Euro und „eine beachtliche Rendite“.

Das kann man von JWP nicht behaupten: Der Umsatz halbierte sich im vergangenen Jahr nach Angaben von Stein von 23,3 Millionen Euro auf 11,7 Millionen Euro. Aus einem Überschuss von 3,3 Millionen Euro im Vorjahr wurde ein Fehlbetrag von 8,1 Millionen Euro. Auch operativ ging es abwärts: Das Ebit (Gewinn vor Steuern und Zinsen) rutschte von 4,9 Millionen Euro auf minus 2,2 Millionen Euro. „Die Königin von England hat einmal den Begriff des ,horrible year’ geprägt“, sagte Vorstandschef Stein. „Ich denke, er beschreibt auch das Geschäftsjahr 2006 der JWP sehr treffend.“

Die zum Teil erfolgreichen deutschen Produktionen – etwa mit dem Schlagerstar Hansi Hinterseer – konnten den Einbruch im US-Geschäft nicht auffangen. So fielen im Rahmen einer Sonderprüfung millionenschwere Aufwendungen für die Tochter Hot JWP Music an, die seit dem 1. Juli 2006 nicht mehr im Konzernabschluss verbucht wird. Aber auch die puertoricanische Tochter VI Music, über die Jack White zeitweise erfolgreich Latinomusik vermarktet hatte, kam wegen Absatzproblemen ins Schleudern. „2006 fiel dieses Geschäft nahezu komplett weg“, sagte Stein am Freitag.

Bei allem Optimismus ist der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr bescheidener geworden: Jack White wolle vorrangig das Ertragsniveau verbessern und sich „wieder stärker auf das operative Geschäft konzentrieren“. Ende 2007 soll das Unternehmen wieder schwarze Zahlen schreiben. Große Hoffnungen setzt das Management auf neue Platten von Hansi Hinterseer, Ireen Sheer oder Roland Kaiser.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben