Wirtschaft : Jack White zieht sich zurück

Der Gründer verlässt den Vorstand der Berliner Musikfirma und übergibt komplett an Thomas Stein

Heike Jahberg

Berlin - Deutschlands Schlagerkönig Jack White verlässt den Vorstand der Firma, die seinen Namen trägt. „Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat scheidet Jack White zum 31. Januar aus dem Vorstand der Jack White Productions AG aus“, teilte das Berliner Unternehmen am Mittwoch abend nach Börsenschluss mit. Jack White, der die Firma gegründet und 1999 an die Börse gebracht hatte, konzentriert sich künftig auf die Produktion deutschsprachiger Schlager und volkstümlicher Musik.

„Jack White hat schon vor längerer Zeit gesagt, dass er sich auf die Produktionstätigkeit konzentrieren will“, sagte Thomas Stein, Vorstandschef der Jack White Productions (JWP), dem Tagesspiegel. Seine über 35-jährige Erfahrung als Musikproduzent („Schöne Maid“) wird der Firmengründer, der mit bürgerlichem Namen Horst Nußbaum heißt, für die Geschäftsführung der JWP-Tochter White Records nutzen. Thomas Stein wird Alleinvorstand bei JWP.

Die Aktie verzeichnete am Mittwoch starke Ausschläge. Nachdem das Papier mit einem Kurs von 2,25 Euro gestartet war, zog es im Tagesverlauf auf 2,57 Euro an. Bei Börsenschluss notierte die JWP-Aktie bei 2,41 Euro, das waren noch immer über sieben Prozent mehr als am Vortag.

Die Berliner Musikfirma, die Künstler wie Hansi Hinterseer, Heino oder Michelle Hunziker unter Vertrag hat, steckt in schweren Turbulenzen. Ende Dezember hatte JWP schlechte Zahlen für die ersten neun Monate des letzten Geschäftsjahres gemeldet. Bis Ende September war bei Jack White ein Minus von 5,3 Millionen Euro aufgelaufen. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen dagegen noch schwarze Zahlen geschrieben und einen Gewinn von 2,6 Millionen ausgewiesen. Auch der Umsatz war von 18,3 auf 7,9 Millionen Euro eingebrochen.

Die Probleme liegen vor allem in den USA. Das Geschäft mit Latino-Musik läuft nicht mehr. Ein Warnschuss waren bereits die Halbjahreszahlen gewesen, die JWP im September vorgelegt hatte. Nachdem die Firma einen Gewinneinbruch vermelden musste, war die Aktie abgestürzt und hatte rund 30 Prozent verloren. Finanzvorstand Frank Nußbaum, der Sohn des Firmengründers, hatte seinen Hut nehmen müssen. Jetzt verlässt auch der Vater den Vorstand seines Unternehmens.

Von einem Teil seiner Aktien hatte sich der Namensgeber schon früher getrennt. Anfang vergangenen Jahres war Jack White noch sein größter Aktionär gewesen, dann verkaufte er 15 Prozent seiner Anteile. Jetzt ist ein großer Teil der Anteilsscheine in den Händen von vier Akteuren – darunter Bolko Hoffmann, Herausgeber des Börsenbriefes „Effecten-Spiegel“ und erbitterter Gegner der Euro-Einführung und Vatas, eine Holding des Londoner Investors Robert Hersov, deren Geschäftsführer das einstige Unternehmerwunderkind Lars Windhorst ist.

Ob die Jack White AG in diesem Jahr wieder in die schwarzen Zahlen zurück kehren wird, vermag Stein nicht zu prognostizieren. Sein Erfolgsrezept: Unter dem Dach der JWP sollen verschiedene Produktionsgesellschaften als Profit-Center geführt werden, darunter auch White Records. „Wir wollen die Gesellschaft erweitern“, sagte Stein, „wir sind auf dem richtigen Weg“. Ob zur Erweiterung auch die Übernahme weiterer Produktionsgesellschaften gehört, ist noch offen. Im vergangenen Jahr hatte JWP den Hannoveraner Musikverlag SPV übernehmen wollen. Im Dezember musste Stein jedoch mitteilen, dass kein Vertrag zu Stande gekommen ist. Dennoch scheint er die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben zu haben. „Die Verhandlungen sind ausgesetzt“, sagte Stein am Mittwoch.

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