Jackson Hole : Notenbank im Wahlkampf

Fed-Chef Ben Bernanke lässt offen, wann er eingreift.

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Die amerikanische Notenbank will der US-Wirtschaft nach Bedarf mit einem weiteren Konjunkturpaket unter die Arme greifen. Was die Federal Reserve genau plant, und für welchen Zeitpunkt, das ließ Notenbank-Chef Ben Bernanke in seiner Rede in Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming am Freitag jedoch offen. Das allein war eine Enttäuschung für die globalen Aktienmärkte, die in den Tagen vor dem Gipfel auf Details zu weiteren Stimuluspaketen gehofft hatten.

Man hätte es besser wissen können: Die Fed hält sich mit Details grundsätzlich zurück, nicht zuletzt, weil sie unter genauer Beobachtung der Märkte steht und jedes Wort von Bernanke in kürzester Zeit eine Rallye oder Panikverkäufe an der Wall Street auslösen kann. Beides passierte am Freitag nicht, denn die Anleger waren nach der Rede so klug wie zuvor: Die Fed lässt den Leitzins langfristig niedrig und hält sich einen weiteren Eingriff in den Markt offen. Womöglich kauft sie zum dritten Mal Staatsanleihen. Ein entsprechender Plan könnte schon bei der Fed-Sitzung am 12. und 13. September vorgestellt werden – vielleicht aber auch nicht.

Ben Bernanke hat zurzeit kein leichtes Amt. Die Stagnation am Arbeitsmarkt sei besorgniserregend, sagte er. Die aktuelle Erholung der US-Wirtschaft schreite „zögerlich“ voran und sei „bei Weitem nicht zufriedenstellend“. Dann der Kernpunkt: In Anbetracht der Lage werde man unterstützende Maßnahmen bereitstellen. Kommentatoren begrüßten die hilfreiche Einstellung der Fed, bekannten sich aber nicht einstimmig zu den Maßnahmen. Ed Lazear, Professor in Stanford und Chef des Council of Economic Advisors, ist nicht überzeugt, dass ein erneuter Massenkauf von Staatsanleihen die gewünschten Ergebnisse bringen kann. „Man muss sich schon fragen, ob es sich lohnt, Hunderte von Milliarden Dollar auszugeben, um die Arbeitslosigkeit um 0,1 oder 0,2 Prozent zu senken.“

Der Haushalt ist hoffnungslos verschuldet, und entsprechend lastet politischer Druck nicht nur auf dem Weißen Haus, sondern auch auf der Notenbank. So wollen etwa Mitt Romneys Republikaner die Notenbank aushebeln. Die Partei hat wiederholt gefordert, den Wert des Dollar nicht mehr dem Gremium zu überlassen, sondern wieder an den Wert der amerikanischen Goldreserven zu knüpfen.

Die Notenbank und ihr leitendes Gremium, der Offenmarktausschuss, fürchten also um ihr Überleben und müssen im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen besonders vorsichtig sein. Auch weil man zwar unparteiisch ist, aber dennoch unter Dauerbeschuss steht. Konservative Medien wettern, dass die Fed unterstützende Maßnahmen für die Märkte plane, um kurz vor November einen Aufschwung einzuleiten und Präsident Barack Obama eine zweite Amtszeit zu ermöglichen. Allerdings: Ben Bernanke ist keineswegs ein Demokrat. George W. Bush berief ihn in sein Amt – und in Insiderkreisen gilt er als libertärer Republikaner.

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