• Jagdwaffen Suhl finden endlich einen Käufer Mit Heckler&Koch steigt der führende deutsche Flintenbauer ein

Wirtschaft : Jagdwaffen Suhl finden endlich einen Käufer Mit Heckler&Koch steigt der führende deutsche Flintenbauer ein

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Berlin (akz). Der größte deutsche Hersteller von Feuerwaffen, Heckler&Koch, hat die Suhler Jagd und Sportwaffen GmbH übernommen. „Mit der Übernahme werden wir unseren zivilen Bereich weiter verstärken“, sagte Joachim Meurer, Sprecher von Heckler&Koch dem Tagesspiegel. Durch die Übernahme werde die Produktpalette vervollständigt, hieß es bei dem im schwäbischen Oberndorf ansässigen Unternehmen.

Mit der Übernahme ist eines der traditionsreichsten ostdeutschen Unternehmen endlich vollständig privatisiert. Nach der Wende und der Wiedervereinigung galt die Jagdwaffe Suhl jahrelang als eine der Perlen im Bestand der Treuhandanstalt, die im Manufakturbetrieb hochwertige Jagd- und Sportwaffen zu konkurrenzlos günstigen Preisen herstellte. Verschiedene Bewerber prüften das Unternehmen, die erste Privatisierung an holländische und französische Investoren ging aber gründlich schief. Unternehmensberater attestierten den Käufern völlige Konzeptionslosigkeit und schwere Managementfehler.

Danach versuchte sich die österreichische Steyr Mannlicher AG als Investor. Nachdem das Unternehmen Insolvenz anmelden mussten, übernahm zuerst eine Auffanggesellschaft die Regie, dann kaufte die Landesbank Hessen-Thüringen über ihre Beteiligungsgesellschaft den Traditionsbetrieb ganz.

Heckler & Koch sind der dritte Käufer mit Branchen-Know-how – und interessieren sich besonders für das exklusive KipplaufJagdgewehr Merkel. Ein solches Gewehr, das zum Laden in der Mitte gekippt wird, ist bisher nicht im Angebot des westdeutschen Büchsenmachers. Daneben seien die Biathlon-Spezialgewehre für Heckler&Koch interessant.

Der zivile Bereich trägt nach Unternehmensangaben rund zehn Prozent zum Gesamtumsatz bei. Heckler &Koch gibt eine Bestandsgarantie für die rund 140 Arbeitsplätze in Suhl ab. „Wir sind optimistisch, dass wir die Kapazitäten an dem Standort weiter ausbauen werden“, sagte Meurer. Auch für die Verkäufer stand die Sicherung des Unternehmens und des Standorts ganz oben auf der Prioritätenliste: „Unser Ziel, die Arbeitsplätze und den Standort zu sichern haben wir damit erreicht“, sagte Dieter German, Geschäftsführer des bisherigen Eigentümers der Beteiligungsgesellschaft für den Wiederaufbau Thüringen (BWT), dem Tagesspiegel. Die BWT, eine Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), hatte erst im vergangenen Jahr ihren Anteil von 49 Prozent auf 100 Prozent aufgestockt.

Erstmals leichte Gewinne

Schon seit 1994 war die BWT an dem Traditionsunternehmen aus Südthüringen beteiligt gewesen und hatte nach der Insolvenz des bisherigen Mehrheitseigentümers, dem österreichischen Waffenunternehmen Steyr-Mannlicher, die restlichen Anteile übernommen. Nach Auskunft der BWT machen die Suhler Jagd- und Sportwaffen in diesem Jahr zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung leichte Gewinne. Auch ohne einen industriellen Partner seien in den vergangenen Jahren die Betriebsabläufe gestrafft und die Herstellung optimiert worden. Die Helaba hatte von Anfang an angekündigt, für das Unternehmen einen industriellen Partner finden zu wollen, der die Arbeitsplätze garantieren könne und den Standort sichern werde. Nach Angaben von German hatte das Suhler Unternehmen im Jahre 2002 einen Umsatz von sieben Millionen Euro zu verzeichnen. Zu DDR-Zeiten beschäftigten die Jagdwaffen 6500 Mitarbeiter, heute sind noch 140 Beschäftigte in dem Unternehmen.

Heckler & Koch ist der führende deutsche Produzent von Handfeuerwaffen. Das Unternehmen war im vorigen Jahr nach elf Jahren im Besitz der britischen Waffenschmiede BAE Systems an eine deutsche Investorengruppe verkauft worden. Heckler & Koch gilt als Hauptlieferant von Gewehren und Pistolen für Bundeswehr und Polizei. Zudem ist das Unternehmen stark exportorientiert.

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