Jahresbilanz : "Opel ist ein Juwel für General Motors"

Viel Erfahrung gesammelt, Engagement bei den Mitarbeitern geweckt und Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe versäumt: Klaus Franz, Betriebsratsvorsitzender von Opel, zog am Donnerstag Jahresbilanz.

Rolf Obertreis

Rüsselsheim - Erfahrung gesammelt, Engagement bei den Mitarbeitern geweckt und Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe versäumt: Klaus Franz, Betriebsratsvorsitzender von Opel, zog am Donnerstag Jahresbilanz. Dabei beklagte er, dass das Unternehmen nach dem geplatzten Verkauf an Magna Anfang November 700 bis 900 Millionen Euro an Einsparungen nicht habe umsetzen können. „Jetzt wird das Zeitfenster immer enger. Bis Mitte Februar müssen der Restrukturierungsplan und die neue Organisation stehen“, sagte Franz in Rüsselsheim. Alles in allem sieht er Opel heute auf festerem Boden als vor zwölf Monaten.

Die Verhandlungen mit der Mutter General Motors (GM) sind nach Angaben des Betriebsratschefs auf gutem Weg. Opel werde mehr Eigenständigkeit zugestanden. „Wir wollen zurück auf den Stand vor 1986, als es die GM-Europa-Zentrale in Zürich noch nicht gab.“ Im Gegenzug sind die Beschäftigten laut Franz bereit, den schon Magna zugesagten Sanierungsbeitrag in Höhe von 265 Millionen Euro auch gegenüber GM zu leisten. Er bezweifelt aber, dass die von GM genannten 3,3 Milliarden Euro zur Neuausrichtung ausreichen. Franz nannte zwar keine Zahl, hält aber offenbar die von Magna geplanten 4,5 Milliarden Euro für realistischer. Er hofft weiter, dass die notwendige Restrukturierung ohne Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen geregelt werden kann. GM will 8300 der derzeit 48 000 Opel-Stellen abbauen, davon 4700 in Deutschland.

Franz zufolge hat das Angebot von Magna Ende Mai nicht nur den Brückenkredit der Bundesregierung von 1,5 Milliarden Euro bewirkt, sondern Opel vor der Insolvenz bewahrt. „Am Freitag kam die Vereinbarung mit Magna, da war der Gang zum Insolvenzgericht am Montag schon vorbereitet.“ GM hätte Opel damals wegen der eigenen dramatischen Lage verkaufen müssen. „Aber eigentlich wollten sie Opel nie abgeben. Wir sind für GM ein Juwel, vor allem auch im Blick auf umweltfreundliche Fahrzeuge.“

Wer künftig Opel führen soll, ist nach wie vor offen. Franz wollte sich als stellvertretender Chef des Aufsichtsrates nicht dazu äußern, ob die Suche derzeit läuft. Opel brauche „ein starkes Management, das unternehmerisch handelt und das Unternehmen an Gewinn und Verlust ausrichtet“, sagte der Betriebsratsvorsitzende. Wie Opel konkret wirtschaftlich dasteht, wollte Franz jedoch nicht sagen. Ohne die Abwrackprämie, von der Opel stark profitiert hat, werde 2010 ein sehr schwieriges Jahr. Rolf Obertreis

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