Jahresbilanz : Siemens-Chef: Umbau ist abgeschlossen

Umsatz und Gewinn sollen trotz der Krise steigen. Der Auftragsbestand umfasst 85 Milliarden Euro.

Corinna Visser
Löscher
Zuversichtlich. Siemens-Chef Peter Löscher. -Foto: dpa

Berlin - Während die Weltwirtschaft weiter in die Krise schlittert, zeigt Siemens Zuversicht. Das Unternehmen habe seine Hausaufgaben gemacht und das schneller als erwartet, sagte Peter Löscher, Vorstandschef des weltweit tätigen Technologiekonzerns, bei der Präsentation der Jahresbilanz am Donnerstag in München. Und nach dem erfolgreichem Umbau starte das Unternehmen nun mit einem Wettbewerbsvorsprung in das schwieriger werdende konjunkturelle Umfeld. Siemens behaupte sich auch in rauhem Fahrwasser, stellte Löscher fest. Das Unternehmen sei nach dem schnellsten Konzernumbau in der Geschichte von Siemens transparenter, fokussierter, schlanker und schneller geworden. „Die Transformation von Siemens ist abgeschlossen“, sagte Löscher. Nun könne man sich auf Kunden und Märkte konzentrieren.

Der Ausblick des Vorstandschefs fiel entsprechend optimistisch aus. An seinem Ziel, doppelt so schnell zu wachsen wie die Weltwirtschaft, hält das Unternehmen fest. Für 2009 legt Siemens dabei einen Anstieg des weltweiten Bruttoinlandsprodukts von 2,1 Prozent zu Grunde. Das Gewinnziel bleibt ebenso unverändert, auch wenn es angesichts des Marktumfelds ambitionierter geworden sei, es zu erreichen. Angestrebt wird ein Ergebnis der drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit zwischen 8,0 und 8,5 Milliarden Euro. Zuletzt lag es bei 6,5 Milliarden Euro.

Gestützt wird Löschers Zuversicht durch einen Auftragsbestand in Höhe von 85 Milliarden Euro, vom den 40 Milliarden Euro im kommenden Jahr wirksam werden. Zwar sei der Abschwung in der Realwirtschaft angekommen und es sei mit abfallenden Wachstumsraten beim Auftragseingang zu rechnen, sagte Löscher. Siemens sei aber jetzt sehr viel besser aufgestellt, als in den vergangenen Abschwungphasen. „Wir sehen in der Krise eine klare Chance für uns.“

Zur Begründung sagte der Vorstandschef, dass es immer noch Wachstum in Asien geben werde. Auch seien die Geschäfte von Siemens zu 70 Prozent langfristige Projekte und die würden im Abschwung nicht mit der selben Wucht getroffen, wie kurzzyklische Geschäfte. Erste Bremsspuren gibt es jedoch bereits, beim Lichthersteller Osram zum Beispiel und bei der Gebäudetechnik, Siemens Building Technologies.

Siemens will sich nach dem Umbau weiter auf sein organisches Wachstum konzentrieren. Große Zukäufe, wie es sie in den vergangenen fünf Jahren vor allem in der Medizintechnik gegeben hatte, seien derzeit nicht geplant, punktuelle Zukäufe aber nicht ausgeschlossen. Siemens sei finanziell solide aufgestellt, betonte Finanzchef Joe Kaeser. Zudem verfüge man über sieben Milliarden Euro liquide Mittel und sei daher mit Barem gut ausgestattet, was in Zeiten der Finanzkrise wichtig sei. Weitere Verkäufe plant der Konzern ebenfalls nicht. An den Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks und Bosch Siemens Hausgeräte sowie an Osram und an der kriselnden Verkehrssparte werde Siemens festhalten, sagte Löscher.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008, das am 30. September endete, erwirtschaftete Siemens – auch dank des Verkaufs des Autozulieferers VDO – unterm Strich einen Gewinn von 5,8 Milliarden Euro, etwa 50 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Im vierten Quartal war als Folge des Konzernumbaus ein Verlust von 2,4 Milliarden Euro angefallen. Darin enthalten waren die Kosten für den geplanten Abbau von 17 000 Stelen in Verwaltung und Vertrieb, die Kosten für die Trennung von den letzten Teilen der ehemaligen Kommunikationssparte und die Rückstellung für Bußgelder, mit denen Siemens in der Schmiergeldaffäre rechnet. Bei den Vergleichsverhandlungen sei Siemens auf der Zielgeraden, aber noch nicht am Ziel, sagte Löscher.

Netto hat Siemens in den fortgeführten Bereichen weltweit sogar 17 000 neue Stellen geschaffen, 5000 davon in Deutschland. Insgesamt gibt es nun 427 000 Siemensianer, 132 000 davon im Inland. In Berlin, dem weltweit größten Produktionsstandort des Konzerns, arbeiten rund 11 900 Mitarbeiter (ohne Lehrlinge). 80 Stellen sind derzeit frei.

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