Jahresendrally : Die Wette gilt

Der Deutsche Aktienindex überspringt zum ersten Mal seit 15 Monaten 6000 Punkte – die Börse rechnet mit besseren Zeiten.

Malte Conradi
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Gute Stimmung auf dem Parkett. Frankfurter Börsianer erwarten auch nach dem Jahreswechsel zunächst steigende Kurse. Im...ddp

Berlin - Die Jahresendrallye hat den Deutschen Aktienindex am Montag über die Marke von 6000 Punkten springen lassen. Im Laufe des Tages pendelte der Dax um diese Marke; er schloss bei 6002 Zählern. Zuletzt hatte der Index im September 2008 so gut dagestanden. Am 26. September notierte er bei 6063 Punkten.

Auslöser für den Anstieg am Montag waren Kursgewinne in China und Japan, wo Anleger von starken Konjunkturdaten überrascht worden waren. Auch der europäische Euro-Stoxx legte zu und steht aktuell knapp unter 3000 Zählern ebenso vor einer psychologisch wichtigen Marke. Ebenfalls positiv gingen die wichtigsten US-Börsen in den New Yorker Handel.

Der Direktor des Deutschen Aktieninstituts (DAI), Franz-Josef Leven, sieht in dem runden Dax-Stand ein positives Signal: „Die Aktienmärkte laufen der Wirtschaft um etwa ein halbes Jahr voraus. Der Dax gibt im Moment der Hoffnung Ausdruck, dass es mit der Konjunktur aufwärts geht und dass die Unternehmen bald wieder Gewinne machen“, sagte Leven dem Tagesspiegel. Die Kursgewinne der vergangenen Tage bezeichnete Leven als klassische Jahresendrallye. Bevor sie am Ende des Jahres ihre Bücher vorzeigen müssten, würden professionelle Anleger wie Aktienfondsmanager oder Versicherungen noch schnell jene Aktien in ihr Depot holen, die im Gesamtjahr besonders gut gelaufen seien. „Alle wollen am Ende sagen können, dass sie die Gewinner im Depot haben“, meint Leven.

Besonders gefragt waren am Montag daher auch Aktien von Versorgungsunternehmen. An der Dax-Spitze standen Papiere der Energiekonzerne Eon und RWE sowie die Papiere von Siemens und des Düngemittelherstellers Kali und Salz. Auch die erst seit wenigen Tagen im Dax gelisteten Vorzugsaktien von Volkswagen konnten zulegen. Die anderen Auto- oder Nutzfahrzeugaktien wie die von BMW, Daimler oder MAN befanden sich hingegen unter den wenigen Verlierern. Im kommenden Jahr werden nach dem Auslaufen der Abwrackprämie harte Zeiten für die Autobauer erwartet.

Bei insgesamt dünnen Umsätzen reichten am Montag schon relativ wenig Käufer aus, um den Dax steigen zu lassen. Viele Marktteilnehmer haben ihre Bücher bereits geschlossen. In London blieben die Börsen wegen eines Feiertages ganz geschlossen. An den letzten beiden Handelstagen 2009 erwartet DAI-Direktor Leven nicht mehr viel Bewegung an den Börsen. „Das ist auch eine Frage der Psychologie“, sagte er. Nach einigen Tagen knapp unter 6000 Punkten hätten viele Händler den Index einfach über dieser Marke sehen wollen.

Zumindest für die ersten Wochen des neuen Jahres sind Finanzmarktexperten zuversichtlich. „Nicht wenige institutionelle Anleger haben den bisherigen Anstieg verpasst“, sagte ein Beobachter. Diese Investoren würden nach den Weihnachtsferien noch auf den Zug aufspringen. Auch an vielen Privatanlegern seien die Kursgewinne des zu Ende gehenden Jahres vorbeigelaufen, sagte Instituts-Direktor Leven. Leider verhielten sich viele Deutsche am Aktienmarkt noch immer prozyklisch. Das heißt, sie kaufen Wertpapiere, wenn sie schon relativ teuer sind, und verkaufen bei niedrigen Kursen. Das starke Auf und Ab an den Börsen verschrecke viele private Anleger, glaubt Leven. Nach einer Statistik des DAI haben sich die Deutschen in den vergangenen Jahren von der Geldanlage in Wertpapieren abgewandt. Besaßen im Jahr 2000 noch 6,2 Millionen Anleger Aktien, sind es heute nur noch rund 3,4 Millionen.

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