Jahresgehalt ausländischer Fachkräfte : 44 800 Euro reichen

Die Anstellung ausländischer Fachkräfte wird erleichtert.

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Deutschland will die Hürden für ausländische Fachkräfte weiter senken. Die beiden Regierungsfraktionen Union und FDP haben sich darauf geeinigt, Hochqualifizierte dann ins Land zu lassen, wenn sie auf ihrer deutschen Stelle mindestens ein Jahresgehalt von 44 800 Euro jährlich zu erwarten haben. Bisher galt ein Mindestverdienst von 66 000 Euro. Für Sparten mit erheblichem Arbeitskräftemangel soll die Grenze sogar auf 34 900 Euro sinken. Auf diese „Blue Card“ kann nach drei Jahren das unbefristete Aufenthaltsrecht folgen – vorausgesetzt, der Arbeitsvertrag besteht weiter. Die Neuregelung soll noch vor der Sommerpause in Kraft treten.

Es ist nicht der erste Versuch, gesuchten Fachkräften, Ingenieuren zum Beispiel, so den Weg nach Deutschland zu ebnen: Als 2005 eine eigene Niederlassungserlaubnis für hoch qualifizierte Nicht-EU-Bürger geschaffen wurde, lag der vorgeschriebene Mindestverdienst noch etwa doppelt so hoch. Erst vor drei Jahren wurde er, nach heftiger Kritik von Wissenschaftlern und der Wirtschaft, auf den jetzigen Betrag abgesenkt. Ein Versuch des Bundesrats 2008, das Doppelte des deutschen Durchschnittseinkommens durchzusetzen – damals 53 400 Euro – hatte seinerzeit keine Chance.

Experten halten Verdienstgrenzen allerdings nur für eins von mehreren nötigen Mitteln zur Fachkräftewerbung. In seinem Jahresbericht wies letztes Jahr der unabhängige Sachverständigenrat für Integration und Migration darauf hin, dass gerade ausländische Studierende, die nach dem Ende der Uni hier bleiben wollen, mehr Hilfe brauchen. Sie sollten statt einem Jahr zwei Jahre Zeit für die Jobsuche bekommen und nicht gezwungen sein, eine Stelle zu finden, die exakt zu ihrer Qualifikation passt.

Deutsche Gehälter dürften ein weiterer Wettbewerbsnachteil im weltweiten „Kampf um die klugen Köpfe“ sein. Deutsche Firmen zahlten im internationalen Vergleich zu wenig, kritisierte am Dienstag der Unions-Innenexperte Reinhard Grindel. Andrea Dernbach

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