Jahrespressekonferenz : Siemens will nur noch saubere Geschäfte

Der Gewinn des Konzerns steigt trotz der Skandale und schlechten Presse erheblich. Neben dem Großreinemachen im Unternehmen steht für Vorstand Löscher vor allem der weitere Umbau an.

Moritz Döbler

München – Grauzonen soll es bei Siemens künftig nicht mehr geben. „Wir sind nur an sauberen Geschäften interessiert, immer und überall“, sagte der seit Juli amtierende Vorstandschef Peter Löscher am Donnerstag bei der Vorlage der Bilanz in München. Rechtsvorstand Peter Solmssen pflichtete ihm bei: „Manchmal muss man Nein sagen“, sagte der Amerikaner, der erst vor vier Wochen sein Büro am Wittelsbacher Platz bezog.

Siemens beziffert die fragwürdigen Zahlungen für die Jahre 2000 bis 2006 inzwischen auf rund 1,3 Milliarden Euro. Die Aufklärung der Affäre kostete allein im letzten Quartal 159 Millionen Euro für Anwalts- und Beraterhonorare. Insgesamt beziffert Finanzvorstand Joe Kaeser den finanziellen Aufwand für die Folgen der Affäre um schwarze Kassen für das vergangene Geschäftsjahr auf 1,3 bis 1,4 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Steuernachzahlungen und auch eine Geldbuße von 201 Millionen Euro für die von der Staatsanwaltschaft verfolgten Korruptionsvorwürfe. Intern wurden wegen Korruption bisher gegen 470 Mitarbeiter disziplinarische Schritte eingeleitet; 30 Prozent von ihnen flogen raus.

Die größte Unsicherheit für Siemens bildet jetzt die Untersuchung der US-Börsenaufsicht SEC, die zu drakonischen Strafen führen könnte. Siemens hat allerdings keine Rückstellungen gebildet. In den kommenden Wochen will Löscher mit Solmssen und Aufsichtsratschef Gerhard Cromme in die USA reisen, um mit der SEC zu verhandeln. Löscher nannte die neuen Angaben zur Dimension der Affäre „einen wichtigen Schritt bei der Aufarbeitung der Vergangenheit“.

In der Zukunft liegen ein umfassender Umbau und höhere Renditeziele vor den weltweit 470 000 Mitarbeitern. „Wir sind zu komplex“, sagte Löscher. „Wir sind nicht die einfachste Firma für unsere Kunden.“ Kaeser sprach von der „größten Umstrukturierung in der Geschichte“. Die Verwaltungs- und Vertriebskosten sollen von zuletzt 12,1 Milliarden Euro bis 2010 um zehn bis zwanzig Prozent sinken. Wie viele Mitarbeiter gehen müssen und welche Standorte betroffen sind, will Löscher Ende November mitteilen.

Das zum 30. September beendete Geschäftsjahr lief für Siemens erfolgreich. Die Affäre schlug sich nicht sichtbar nieder. Der Umsatz stieg um rund zehn Prozent auf 72,5 Milliarden Euro. Nach Steuern betrug der Gewinn gut vier Milliarden Euro, ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Die Dividende steigt von 1,45 auf 1,60 Euro. Moritz Döbler

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