• Jahrestagung des BDI: Energie aus Wind und Wasser - Diskussion über umweltbewusste Gesellschaft und Kernenergie

Wirtschaft : Jahrestagung des BDI: Energie aus Wind und Wasser - Diskussion über umweltbewusste Gesellschaft und Kernenergie

alf

"Von denen werden wir regiert", stöhnte ein Zuhörer, als Michaele Hustedt (Bündnis 90/Die Grünen) über den Strukturwandel berichtete. Windkraftwerke, so die Grüne, verbrauchten inzwischen mehr Stahl als die deutschen Werften. Da konnte sich auch Gerhard Cromme, der auf der BDI-Jahrestagung die Diskussion über "die umweltbewusste, energieeffiziente Gesellschaft" moderierte, nicht länger zurückhalten. Dem Thyssen-Krupp-Chef zufolge reicht den Stahlwerken eine knappe Stunde im Jahr, um den Stahl für die Windkraftanlagen zu produzieren. Eine vernachlässigbare Größe also. Das kann man von der Atomenergie nicht behaupten. Von einer "etwas absurden Diskussion" über Umweltschutz sprach Eon-Vorstandschef Wilhelm Simson, "weil wir aus der umweltfreundlichsten Energie aussteigen". Im übrigen habe die Stromwirtschaft kein Ausstiegspapier unterschrieben, sondern sich auf Restlaufzeiten festgelegt; ein Wiedereinstieg bleibe möglich. "Wir sind für regenerative Energien", so der frühere Viag-Chef, "aber man muss die Kirche im Dorf lassen", was deren Möglichkeiten anbelange. Derzeit stammten rund zwei Prozent des Stroms aus der Nutzung von Wind, Wasser oder Sonne. Zumindest Hustedt zufolge wird dieser Anteil stetig steigen müssen, "denn so, wie wir wirtschaften, ist das für den blauen Planeten nicht zu verkraften". Wenn die Deutschen in Sachen Umweltschutz eine Vorreiterrolle spielten, dann hätten sie im übrigen gute Chancen, auf den Zukunftsmärkten der Umwelttechnologie vorn zu liegen. Wie etwa bei der Entwicklung von Wasserstoffantrieben für Autos; hier hat Hustedt sogar eine "Aufbruchstimmung in der Autoindustrie und den Mineralölkonzernen" entdeckt. Überhaupt das Auto. Nicht Dreckschleuder, sondern Innovationsträger, meinte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbandes der Autoindustrie. Heute emittierten 30 Mittelklasse-Pkw so viel Schadstoffe wie ein Auto im Jahre 1970. Das belege das Umweltbewusstsein in der Industrie, Selbstverpflichtung bringe mehr denn politische Vorgaben. Dem Standpunkt näherte sich sogar Hustedt an: Die Politik solle Ziele vorgeben, "Unternehmen und Märkte diese Ziele aber selbstständig erreichen". Immerhin wohlwollendes Grummeln im Publikum.

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