Jahrhundertauftrag : EADS nimmt ein drittes Mal Anlauf

Die unendliche Geschichte geht weiter, zumindest bis Herbst. Dann wollen die US-Verteidigungsstrategen des Pentagon im dritten Anlauf und mutmaßlich endgültig über den „Jahrhundertauftrag“ entscheiden, für den sich der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS doch noch einmal bewirbt.

Thomas Magenheim
Hohe Erwartungen. Das Tankflugzeug, mit dem EADS sich um den US-Auftrag bewirbt, ist vom zivilen Airbus A 330 abgeleitet.
Hohe Erwartungen. Das Tankflugzeug, mit dem EADS sich um den US-Auftrag bewirbt, ist vom zivilen Airbus A 330 abgeleitet.Foto: dpa

München - Die unendliche Geschichte geht weiter, zumindest bis Herbst. Dann wollen die US-Verteidigungsstrategen des Pentagon im dritten Anlauf und mutmaßlich endgültig über den „Jahrhundertauftrag“ entscheiden, für den sich der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS doch noch einmal bewirbt. Es geht in der Summe um 534 neue Tank- und Frachtflugzeuge für die US-Luftwaffe, für deren erste Tranche die Europäer jetzt am 9. Juli ein Angebot vorlegen wollen. Lukrativ wäre das Geschäft schon in jedem Fall. Es geht in der ersten Runde um den Bau von 179 Flugzeugen für 35 Milliarden Dollar. Zugleich sieht EADS-Chef Louis Gallois das Geschäft als Türöffner im großen Stil für den US-Rüstungsmarkt, dem weltweit größten. „Wir treten an, um zu gewinnen“, heißt es bei EADS so kämpferisch wie optimistisch.

„Wenn man das Beste hat, muss man es auch anbieten“, betont der US-Chef des Europakonzerns, Ralph Crosby. Für das Beste hält er die KC-45, eine Tankervariante des zivilen Airbus A 330, die bereits bei vier alliierten Streitkräften (Australien, Großbritannien, Saudi-Arabien sowie Vereinigte Arabische Emirate) fliegt und die letzten Aufträge gegen den US-Konkurrenten Boeing alle gewonnen hat. Technisch spricht also wirklich vieles für den Airbus.

Die Entscheidung wird aber von der Politik gefällt. Zweimal hat sie das bereits getan. Zuerst ging der Großauftrag an Boeing, bis er nach einem der größten Beschaffungsskandale der US-Geschichte neu ausgeschrieben werden musste. 2008 flog dann die EADS mit US-Seniorpartner Northrop Grumman als vermeintlicher Sieger durchs Ziel und wurde ihrerseits nach Boeing-Protesten zurückgepfiffen. Die dritte Ausschreibung wurde ganz auf Boeing zugeschnitten, woraufhin Northrop Grumman entnervt das Handtuch warf. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy warnten vor protektionistischen Tendenzen, Sarkozy kündigte ein Nachspiel an. Dann verlängerte das Ministerium die Angebotsfrist, um EADS erneut an Bord zu holen.

Aber ist es nun wirklich fairer Wettbewerb oder steht der Sieger doch schon fest? Börsianer sind skeptisch und sprechen von hohen Hürden für EADS, andere Branchenkenner sogar von einem aussichtslosen Unterfangen. „EADS wird als Alibi missbraucht“, wettert ein Insider aus der Branche, der Boeing als vorbestimmten Auftragnehmer sieht. Erstens würde die US-Administration damit den Schein von Wettbewerb und ihr Gesicht wahren. Zweitens könne das Angebot der Europäer gegenüber Boeing zum Kostendrücken verwendet werden.

Auch eine Chance auf Auftragsteilung zwischen Boeing und EADS sehen Experten nicht, weil sich das Mammutprojekt dadurch verteuern würde. Zwei Systeme werde sich nicht einmal die US-Luftwaffe leisten. Auch EADS wisse um die Hoffnungslosigkeit des Unterfangens. Warum aber machen dann die Europäer gute Miene zum vermeintlich bösen Spiel?

Die fliegende Tankstelle sei zwar ein riesiger aber sicher nicht der letzte US-Rüstungsauftrag, erklärt ein Insider. Die EADS halte die andere Wange hin, um künftig beim Pentagon einen Stein im Brett zu haben. Neue Aufträge für Drohnen und Militärhubschrauber stünden am Horizont. Dort könne die EADS dann zuvorkommender bedacht werden. Der Tankerauftrag sei kein wirtschaftliches Wettbieten mehr, sondern ein politisches Ringen um künftigen Einfluss.

EADS weist entschieden zurück, nur die Funktion eines Feigenblatts zu übernehmen und behauptet, eine echte Chance zu wittern. Bald soll ein neuer US-Partner für sicherheitspolitisch heikle Auftragsteile präsentiert werden. Die US-Firmen Raytheon und L3 Communications sind im Gespräch. Erstmals darf EADS beim Pentagon als Hauptauftragnehmer antreten, was als Aufwertung auch mit Blick auf künftige Ausschreibungen empfunden wird. Die Tankflugzeuge aber baut höchstwahrscheinlich Boeing.

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