Wirtschaft : Jakarta hofft auf Schuldenerlaß

Gläubiger sollen auf bis zu 50 Prozent der Darlehen verzichten JAKARTA (AFP).Die indonesische Privatwirtschaft hofft auf einen Erlaß von bis zu 50 Prozent ihrer Schulden bei ausländischen Gläubigern und erheblich längere Rückzahlungsfristen.Im Durchschnitt sollten sich die Geldgeber darauf einstellen, 30 bis 40 Prozent ihrer Forderungen abzuschreiben, sagte der Vorsitzende der indonesischen Industrie- und Handelskammer, Aburizal Bakrie, am Dienstag nach einem Treffen mit dem indonesischen Wirtschaftsminister Ginanjar Kartasasmita in Jakarta.Am Mittwoch beginnen in New York erste Umschuldungsverhandlungen zwischen Indonesien und seinen privaten Gläubigern unter der Regie führender japanischer, europäischer und amerikanischer Banken.Jakarta beteuerte unterdessen, das mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) mühsam ausgehandelte Reformprogramm nunmehr unterzeichnet zu haben. Die Schulden der indonesischen Privatwirtschaft belaufen sich nach offiziellen Angaben auf umgerechnet 146 Mrd.DM, Analysten rechnen jedoch mit fast 40 Mrd.DM mehr.Die Regierung will die tatsächliche Höhe der Schuldenlast und die Laufzeiten der Kredite in den kommenden zwei Wochen per Umfrage ermitteln.Bakrie hofft nach eigenen Worten auf ein Abkommen über einen Teilerlaß der Unternehmensschulden in den nächsten drei Monate.Wie hoch dabei die Verluste für die Gläubiger ausfielen, sei von der Dauer der Rückzahlungsfristen abhängig.Wer sein Geld schnell wiedersehen wolle, müsse auf bis zu 50 Prozent verzichten.Wer es weniger eilig habe, könne mit geringeren Einbußen rechnen. Das Reformprogramm, das eine Umstrukturierung der indonesischen Wirtschaft als Vorbedingung für IWF-Kredithilfen vorsieht und in Indonesien offenbar auf große Widerstände stößt, ist nach Bekunden Jakartas inzwischen unterzeichnet worden.Vom IWF war zunächst keine Bestätigung zu erhalten.In indonesischen Kreisen hieß es, die Regierung habe das unterschriebene Vertragswerk direkt dem IWF zukommen lassen. IWF und WeltbankDer internationale Währungsfonds (IWF) wurde 1944 nach den Kriegswirren auf der Grundlage der Währungs- und Finanzierungskonferenz in Bretton Woods an der amerikanischen Ostküste gegründet.Ziel der sogenannten Finanzfeuerwehr ist es, ein ausgeglichenes Wachstum des Welthandels zu fördern, feste Wechselkurse zu verteidigen, den internationalen Handel sowie die weltweite wirtschaftliche Zusammenarbeit zu garantieren.Dem IWF gehören heute mehr als 180 Staaten an, Deutschland ist seit 1952 Mitglied. In den vergangenen Jahren hatte der IWF immer wieder Milliarden in notleidende Volkswirtschaften gepumpt und sich so den Ruf einer Finanzfeuerwehr erworben.Die Bittsteller müssen allerdings harte Auflagen erfüllen, um an die Gelder zu kommen.Der IWF forderte in der Vergangenheit beispielsweise Privatisierung von staatseigenen Betrieben, den Abbau von Subventionen oder die Bekämpfung der Korruption.Die Darlehen des IWF sind außerdem verzinst und müssen innerhalb von zwei bis drei Jahren zurückgezahlt werden.Die Anteile am Kapitalfonds und die Stimmrechte der Mitglieder werden nach der jeweiligen Wirtschaftskraft bemessen und in der sogenannten Quote ausgedrückt.Die größte Quote haben die USA mit 18,25 Prozent, darauf folgen Japan und Deutschland mit jeweils 5,67 Prozent. IWF-Kritiker wie Alan H.Meltzer, Professor an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, bemängeln, daß der Fonds Vermögen verschiebe, ohne sich in den Nehmerländern für wirkliche Reformen einzusetzen.Weitere namhafte Ökonomen kritisieren - vor allem vor dem Hintergrund der Finanzkrise in Asien - daß der IWF Länder zur unvorsichtigen Kreditvergabe ermutige.Weiteres Standbein der internationalen Wirtschaftsordnung ist die Weltbank.Das ebenfalls 1944 gegründete Institut und seine drei Töchter haben die Aufgabe, Entwicklungsländer durch strukturelle Reformen und private ausländische Investitionen zu fördern.IWF und Weltbank tagen diese Woche gemeinsam in Washington.

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