• Jamba will in Berlin 150 neue Jobs schaffen Der Mobilfunkdienstleister macht gute Geschäfte – daher bleibt für zusätzliche Lehrstellen keine Zeit

Wirtschaft : Jamba will in Berlin 150 neue Jobs schaffen Der Mobilfunkdienstleister macht gute Geschäfte – daher bleibt für zusätzliche Lehrstellen keine Zeit

Corinna Visser

Der Berliner Mobilfunk-Dienstleister Jamba plant eine weitere Expansion. „Wir werden in diesem Jahr 100 bis 150 neue Mitarbeiter einstellen“, sagte Marc Samwer, der gemeinsam mit seinen beiden Brüdern die Jamba AG führt, dem Tagesspiegel. Zusätzliche Ausbildungsplätze werden dabei aber nicht herausspringen. „Wir bilden nicht aus, wir schaffen Jobs“, sagte Samwer. Für die von der Regierung geplante Ausbildungsplatzabgabe hat Samwer wenig Verständnis. „Es wird unterschätzt, dass es wahnsinnig anstrengend und zeitraubend ist, ein Unternehmen aufzubauen. Wir müssen jeden Tag darüber nachdenken, wo wir die nächsten Umsätze herbekommen.“

Jamba entwickelt und verkauft Produkte für das mobile Internet. Das sind Klingeltöne, Spiele oder Hintergrundbilder (Wallpapers) und Logos, mit denen meist junge Menschen ihr Handy ausstatten. Das Geschäftsmodell hat Erfolg: Im Jahr 2000 gegründet, hat Jamba nun knapp 300 Mitarbeiter. Das Durchschnittsalter liegt bei 25 Jahren. „2003 war ein Superjahr“, sagte Samwer. „Das hat den Durchbruch für das mobile Internet gebracht.“ Endlich kamen Handys mit großen Farbbildschirmen und besserem Sound auf den Markt. Die Kunden gaben in Deutschland 163 Millionen Euro für Klingeltöne aus und 71 Millionen Euro für Bilder, hat der Marktforscher Jupiter Research ermittelt. Europaweit lagen die Einnahmen bei 1,7 Milliarden Euro. 2004 soll sich der Umsatz verdoppeln.

Der Handy-Dienstleister sucht Gamesmanager, Klingeltonproduzenten oder Contentmanager für Logos und Wallpapers. Die Anforderungen, was formale Qualifikationen betrifft, sind gering – für viele der Jobs gibt es keine geregelte Ausbildung der Industrie- und Handelskammer. „Auch Leute ohne Ausbildung haben eine Chance“, sagte Samwer.

„Berlin tut zu wenig für die Wirtschaft“

Anspruchsvoll ist er aber, was den Einsatz der Mitarbeiter betrifft. „Wir brauchen vor allem junge Leute unter 35 Jahren, engagiert, flexibel und mit Spaß an der Sache. Sie müssen sich für Technik und für Trends interessieren.“ Auch auf Tugenden wie Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein legt Samwer Wert. Bei Jamba trage aber niemand Anzug und Krawatte. Trotzdem könne er die Leute überzeugen, „dass wir ein ernsthaftes erfolgreiches Unternehmen sind“. Eines, das das Ende der New Economy überlebt hat. Dabei erinnert bei Jamba noch vieles an diese Zeit. „Wer bei uns anfängt, muss sofort loslegen“, sagt Firmenchef Samwer. „Einarbeitung gibt es nicht.“

Meist findet Jamba die richtigen Leute. „Ich höre von anderen Firmen, dass die Leute nicht kommen wollen, weil ihnen zum Beispiel München zu schick und Hamburg zu steif ist. Die Attraktivität Berlins ist ein unschlagbares Asset“, sagte Samwer. Ein Verdienst von Politik und Verwaltung sei das aber nicht. „In Deutschland betrachten die Politiker die Wirtschaft als notwendiges Übel“, sagte er. In Berlin sei es am schlimmsten.

„Von einer Stadt, die so dringend neue Ansiedlungen braucht wie Berlin, erwarte ich, dass Politik und Verwaltung das zum Thema Nummer eins machen. Das tun sie aber nicht“, so Samwer. Seine Firma habe 300 neue Jobs geschaffen und sei auf dem besten Wege zu mehr. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Politik einfach mal auf uns zugeht und fragt: Was können wir für Euch tun?“ Hilfe wünscht er sich bei der Beschaffung von Fördergeldern. „Die Wirtschaftsförderung hat mehr als genug Leute. Warum betrachten die sich nicht als Dienstleister und kümmern sich darum, dass wir die Gelder, die ja meist die EU bereitstellt, auch bekommen?“ Nordrhein-Westfalen habe sich schon bemüht, Jamba anzulocken. Doch eine Firma lasse sich nicht so leicht verpflanzen. „Wir fühlen uns wohl in Berlin, und es funktioniert ja auch. Aber es könnte viel besser funktionieren, es könnten mehr junge Unternehmer nach Berlin kommen.“ Die Politik verlasse sich zu sehr auf die Attraktivität der Stadt. „Hier tanzt der Bär, heißt es“, so Samwer. „Das gilt nachts, aber nicht tagsüber.“

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