Wirtschaft : James Wolfensohn wird wiedergewählt, der Durchbruch beim Schuldenerlass ist geschafft

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Mehr als vier Jahre steht James Wolfensohn jetzt schon an der Spitze der Weltbank. Vier Jahre, in denen er sich intensiv um die Reform der bürokratischen, mitunter trägen Institution kümmerte - und gleichzeitig die Interessen der Armen nie aus den Augen verlor. Der 66-jährige Australier, der durch das Investmentgeschäft reich wurde, bevor er im Juni 1995 an die Spitze der Weltbank rückte, kann sich jetzt vermutlich mehr seiner eigentlichen Aufgabe widmen.

Wolfensohn steht im Mittelpunkt der Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF), die am Dienstag in Washington offiziell begann. Während der dreitägigen Konferenz werden die Finanzminister und Notenbankchefs aus über 180 Länder die Lage der Weltwirtschaft erörtern.

Ein wichtiges Thema ist dabei der von der internationalen Gemeinschaft beschlossene Schuldenerlass für die ärmsten Länder. Dieser begrüßenswerte Schritt dürfe nicht zur Einschränkung der aktiven Entwicklungshilfe führen, forderten die Weltbank und Entwicklungspolitiker aus aller Welt vor Beginn der Tagung in Washington.

Schon am ersten Tag steht fest, dass Wolfensohn für weitere fünf Jahre oberster Weltbanker bleiben wird. Er wird mit nahezu ungeteilter Unterstützung aus allen 182 Mitgliedsländern in seinem Amt bestätigt werden. Seinem Einsatz ist es zu verdanken, dass Weltbank und IWF jetzt enger zusammenarbeiten als je zuvor. Die Kooperation soll die zuweilen harten Strukturanpassungsprogramme des IWF abfedern. Der oft vehement kritisierte Fonds will in Zukunft soziale Aspekte berücksichtigen und hat sich, wie die Weltbank, dem Ziel verschrieben, bis 2015 die Armut auf der Welt zu halbieren.

Wolfensohn hat großen Anteil daran, dass die bislang beispiellose Schuldeninitiative - dessen ersten Teil er 1996 selbst mit angestossen hat - für die armen Länder endgültig unter Dach und Fach gebracht werden. Damit werden die Entwicklungsländer in den kommenden Jahren von einer Schuldenlast in Höhe von 70 Milliarden Dollar befreit.

Für den schmächtigen, freundlichen Banker war es allerdings ein hartes Stück Arbeit. Fast 48 Stunden lang beriet er in bilateralen Gesprächen, im Entwicklungsausschuss der Weltbank und im Interimkomitee des IWF. Am Ende fehlen zwar immer noch 400 Millionen Dollar. Aber dadurch läßt sich ein sichtlich erleichterter Weltbank-Präsident am Montagabend nicht abhalten, den Durchbruch zu verkünden. "Wir sind weit genug, dass ich sagen kann: Es ist geschafft."

Mit dem als Durchbruch in der Armutsbekämpfung gefeierten Programm sollen Schulden für mehr als 30 Entwicklungsländer gestrichen werden. Das eingesparte Geld muss in den betroffenen Ländern gezielt gegen die Armut eingesetzt werden. Als "Champion der ärmsten Länder, der das Duell mit den Reichen gewinnt", wurde Wolfensohn schon vor der Tagung bezeichnet. Dabei war er mit Skepsis in den Weltfinanzgipfel gegangen. 80 Länder hat Wolfensohn seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren besucht. Er sah Armut, Krieg, Hunger, Tod und Zerstörung - und war manchmal geschockt. "Natürlich ist man mitunter niedergeschlagen, wenn Parlamente die Entwicklungshilfe gerade dann kürzen, wenn sie gebraucht wird wie nie zuvor." Armut sei Realität, aber sie spiele keine Rolle in politischen Debatten.

In den vergangenen Jahren sei die Armut, bedingt auch die Finanzkrise in Asien, noch größer geworden. Die Entwicklungsländer seien weiter zurückgefallen. "Das Thema Schulden ist nicht alles, es muß uns um fortwährende Hilfe gehen", sagt Wolfensohn. Der denkt dabei längst nicht nur an Geld aus den Industriestaaten - obwohl er beklagt, dass die öffentliche Hilfe Jahr für Jahr geringer wird, sondern auch an die Politik in den armen Ländern selbst. Diese Politik müsse viel stärker als bislang auf die Bekämpfung der Armut ausgerichtet werden.

Der Weltbank-Präsident ist zwar der beste Anwalt, den es für armen Länder im reichen Norden geben kann. Aber er ist auch ihr schärfster Kritiker, wenn die Verhältnisse vor Ort die Menschen noch ärmer werden lässt.

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