Wirtschaft : Japan: Geld für die Wirtschaft

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Mit einer weiteren Lockerung ihrer Geldpolitik will die Bank von Japan den Wirtschaftsreformen der Regierung von Premierminister Junichiro Koizumi den Rücken stärken. Wie der geldpolitische Ausschuss der Notenbank nach zweitägiger Sitzung erklärte, wird die Obergrenze für die Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken von bisher fünf Billionen auf sechs Billionen Yen (107,3 Milliarden Mark) erhöht. Dem Finanzmarkt soll so über Geldmarktoperationen zusätzliche Liquidität zugeführt werden. Die Banken können theoretisch mehr Kredite an Unternehmen vergeben. Außerdem will die Notenbank den Aufkauf langfristiger Regierungsanleihen von heute 400 Milliarden auf 600 Milliarden Yen pro Monat erhöhen, wodurch ebenfalls mehr Geld in die Wirtschaft gepumpt wird.

Tokios Börse begrüßte den Entscheid. Der Nikkei-225-Index sprang um knapp vier Prozent auf 11 917,95 Punkte. Dies war der größte Kursgewinn seit vier Monaten. Am Montag war der Index auf ein 16-Jahres-Tief gefallen. Der Yen fiel gegenüber Dollar und Euro zeitweise zurück, machte die Einbußen dann aber wieder mehr als wett.

Die Lockerung kam überraschend. Noch vor einem Monat hatte die Zentralbank einstimmig gegen eine solche Politik votiert. Und der in der Öffentlichkeit heftig kritisierte Notenbankchef Masaru Hayami sandte trotz zusehends schlechterer Konjunkturaussichten keine Signale für einen baldigen Sinneswandel aus. Im Gegenteil: In gewohnt trotziger Art beantwortete er Forderungen nach geldpolitischer Hilfestellung für die vor einer Rezession stehende Volkswirtschaft mit Forderungen an die Regierung, die Strukturreformen voran zu treiben. Über die Beweggründe des Meinungsumschwunges kann daher nur spekuliert werden. Neben der Börsenschwäche haben dazu sicher die jüngsten Handelsdaten beigetragen. Sie haben letzte Zweifel an der sich rapide abschwächenden Exportkraft Japans beseitigt.

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