Wirtschaft : Japan hofft auf Unterstützung im Kampf gegen den starken Yen - Partner dringen auf Reformen

Martina Ohm

Seitdem die so genannte Seifenblasen-Ökonomie Ende der 80er Jahre zerplatzte, kommt Japans Wirtschaft nicht mehr so recht in Schwung. Vergeblich versuchte die Regierung mit Ausgabenprogrammen und Steuersenkungen die Stagnation Mitte der Neunziger in den Griff zu bekommen. Mittlerweile steht Japan mit Verbindlichkeiten von 160 Prozent seines jährlichen Bruttoinlandproduktes an der Spitze der OECD-Schuldnerliste. Eine dauerhafte Stabilsierung gelang nicht. Die kuriose Ausgabe von Einkaufsgutscheinen erwies sich als Flop: Das Nötigste wurde ausgegeben; der Rest gespart. Selbst die geldpolitischen Instrumente versagen mittlerweile. Bei Preisstabilität - die Preise sinken sogar - liegen die kurzfristigen Zinsen um Null. Gleichwohl scheint Japan auf dem Wege der Besserung. Nach dem wirtschaftlichen Einbruch 1998, brachte 1999 dem Land wenigstens wieder ein positives Wirtschaftswachstum - bei knapp fünf Prozent Arbeitslosigkeit zuzüglich drei Prozent verdeckter Arbeitslosigkeit, schätzt Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Den lauten Klagen aus Politik und Wirtschaft zufolge macht allerdings vor allem der seit Ende 1998 ausgesprochen starke Yen der Japan AG zurzeit das Leben schwer; obwohl die Exportwirtschaft nur zehn Prozent zum japanischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt. Für einen Dollar zahlte man vor fast anderthalb Jahren noch 147 Yen, erinnert sich Friederike Boss, Japan-Referentin beim Hamburger Instiut für Asienkunde. Heute sind es nur noch 104 Yen. Eine weitere - währungsbedingte - Beeinträchtigung der Exportwirtschaft will Finanzminister Kiichi Miyazawa nicht länger hinnehmen. Auf dem Treffen der G 7-Länder am Sonnabend in Tokio soll der Yen auf der Tagesordnung ganz oben stehen. Miyazawa will die Staatengruppe, der außer Japan, die USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien angehören, um Hilfe bitten. Gemeinsam soll man gegen einen weiteren Kursanstieg des Yen zu Felde ziehen. Die Chance für eine konzertierte Aktion bewerten Fachleuten als eher gering, zumal jede Interventionen gegen den Markt wirkungslos bleibt. Außerdem haben weder Amerikaner noch Europäer zurzeit ein besonderes Interesse an niedrigeren Dollar- oder Eurokursen, sondern dringen eher auf Deregulierung und Reformen in Japan. Die Klagen über den teuren Yen, urteilt Japan-Referentin Bosse, stünden in keinem Verhältnis zur Flexibilität der Exporteure. Weil im Herbst Präsidentschaftswahlen anstehen, scheint der Finanzminister vornehmlich den Forderungen der Wirtschaftsverbänden nachkommen zu wollen. Die fordern seit langem Wechselkurs-Zielzonen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben