Wirtschaft : Japan in der Krise: "Das Land steckt im Reformstau"

Frau Bosse[alle reden von der Krise in Japan. Wie]

Friederike Bosse ist Japan-Referentin am Hamburger Institut für Asienkunde

Frau Bosse, alle reden von der Krise in Japan. Wie ernst ist die Lage?

Die politische Führungskrise drückt auf die Stimmung. Aktienkurse und Yen fallen.

Japan fehlt nur eine neue Regierung?

Das ist zu einfach. Die akute Börsenflaute zeigt, dass die Investoren kein Vertrauen in die Wachstumskraft des Landes haben.

Warum versagen Konjunkturprogramme?

Die Konjunkturprogramme zielten bislang in die falsche Richtung. Es gibt neue Flughäfen, Brücken und Häfen, aber nicht ausreichend Computer in den Schulen.

Und warum ist die Politik des billigen Geldes wirkungslos?

Die meisten Unternehmen kämpfen mit Überkapazitäten. Vielen drohen Verluste auf Immobilien und Aktien. Das sind keine guten Voraussetzungen für Kredite.

Was halten Sie vom neuen Notprogramm?

Nicht viel. Billigeres Geld hilft seit fünf Jahren nicht. Und weder Steuervergünstigungen für Aktionäre noch Vergünstigungen für Immobilienbesitzer werden über Nacht einen neuen Börsenboom entfachen.

Trotzdem bleibt Tokio extrem auf die Aktienkurse fixiert. Warum?

Weil Ende März das laufende Haushaltsjahr endet. Der 31. März ist außerdem Bilanzstichtag. Das ist die Stunde der Wahrheit. Auch für die Banken, die nach wie vor auf Bilanzkosmetik schielen, anstatt sich von fragwürdigen Beständen zu trennen.

Wie gefährlich ist das für das Land?

Es ist zumindest symptomatisch für die Haltung. Man denkt nur kurzfristig.

Anstatt?

Den Menschen Hoffnung zu geben. Wer Angst um Job und Rente hat, der spart.

Geht es den Japaner wirklich so schlecht?

Es gibt mehr Obdachlose als früher, aber noch nicht so viele wie in Berlin.

Das heißt: Die Krise ist relativ?

Ja. Der Lebensstandard ist immer noch hoch. Auch die Arbeitslosigkeit könnte höher sein, und der Preisdruck ist nicht nur Ausdruck der Krise, sondern Folge von mehr Wettbewerb im Handel. Das nutzt den Leuten.

Wo liegt dann das eigentliche Problem?

Die Politik steckt im Reformstau fest.

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