Wirtschaft : Japan kommt aus der Krise nicht heraus

TOKIO/SINGAPUR (ga/HB/dpa).Das Geschäftklima japanischer Unternehmen hat sich zur Jahresmitte weiter markant verschlechtert.Besonders kritisch ist die Lage von kleinen und mittleren Betrieben.Das ist das Ergebnis der in der vergangenen Woche abgeschlossenen Quartalsumfrage der Bank of Japan bei insgesamt knapp 9300 Unternehmen, des sogenannten Tankan-Berichts.

Er ist eine Mischung aus Konjunkturanalyse und Stimmungsbericht.Das Wort "Tankan" ist die Abkürzung des Begriffes "kigyo tanki keizai kansoku chosa", was sich mit "Untersuchung zur kurzfristigen Konjunktureinschätzung der Unternehmen" übersetzen läßt.Die befragten Firmen beantworten Fragen zu ihren Lagerbeständen und Zwischengewinnen, zu Investitions- und Personalplänen.Ein negativer Index bedeutet, daß die Pessimisten überwiegen.

In der Industrie fiel der Index bei den Großunternehmen von minus 31 im März auf minus 38 - auf das niedrigste Niveau seit August 1994.Bei den Klein- und Mittelbetrieben sank der Index sogar von minus 38 auf minus 49.So schlecht war die Stimmung zuletzt im Mai 1975.Im Dienstleistungssektor verbesserte sich die Lage bei den Großunternehmen von minus 30 im März auf minus 28 im Juni.Die Klein- und Mittelbetriebe berichten dagegen noch nicht über eine Trendwende: Der Index verschlechterte sich von minus 37 im März auf minus 42 im Juni.

Freilich bewegt sich das Ausmaß der Verschlechterung am oberen Rand der zuvor von Wirtschaftsforschungsinstituten veröffentlichten Prognosen.Der Bank of Japan zufolge liegt die miesere Marktlage vor allem am Inlandsgeschäft.Die Folge war nach Feststellung des Wirtschaftsministeriums (Miti) eine weitere Drosselung der Industrieproduktion im Mai.So wie in den drei Monaten zuvor fuhren die Betriebe sie um saisonbereinigt zwei Prozent gegenüber dem Vormonat zurück.

Die Unternehmen klagen daneben über den deutlichen Anstieg ihrer ungenutzten Kapazitäten.Dies läßt eine weitere Verschlechterung der Arbeitsmarktlage und einen Rückgang der Investitionen erwarten.Nach Feststellung der Notenbank wollen die Großunternehmen im laufenden Geschäftsjahr 1998/99 (31.März) Sach- und Ausrüstungsinvestitionen um 1,3 Prozent reduzieren (1997/98: minus 0,4 Prozent).Allein für das produzierende Gewerbe zeichnet sich eine Drosselung um 2,6 Prozent (1997/98: plus 6,4 Prozent) ab.

Deutlich ungünstiger ist die Lage bei den kleinen und mittelständischen Unternehemen: Sie werden im laufenden Jahr 19,1 Prozent weniger investieren (1997/98: minus 4,6 Prozent).In den Unternehmen des produzierenden Gewerbes ist sogar eine Kürzung der Investitionsbudgets um 21,7 Prozent vorgesehen (1997/98: plus 3,7 Prozent).

Unterdessen hat der ehemalige Ministerpräsident von Singapur, Lee Kuan Yew, die Rolle Japans in der Asienkrise hervorgehoben."Singapur und die gesamte Region werden sich nicht voll erholen, bevor sich Japan erholt hat.Derzeit kann keiner sagen, wann das sein wird."

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