Wirtschaft : Japan rutscht in die Rezession

FRANKFURT (uwe/dpa).Die Asienkrise geht in die zweite Runde.Die Rezession in Japan und die Yen-Schwäche haben am Freitag auch die europäischen Aktienmärkte belastet.Im Durchschnitt gaben die Aktienkurse um ein bis 1,5 Prozent nach.Grund für die Kurskorrekturen ist die Sorge, daß neben Japan auch die Währungen Hongkongs und Chinas im Mitleidenschaft gezogen werden.Eine Furcht, die gestern erneut auf die US-Börse drückte.

Schon im vergangenen Herbst riet der US-Ökomom Paul Krugman der japanischen Regierung, sie solle am besten Yen-Noten mit dem Hubschrauber über Tokio abwerfen, um den Konsum zu beleben und die Deflationsgefahr zu beseitigen.Die japanische Regierung aber hörte natürlich nicht auf den MIT-Wissenschaftler: Die ebenso halbherzigen wie zahlreichen Konjunkturprogramme der letzten Monate belebten das Wachstum nicht, und umfangreiche Entschuldungsaktionen retteten die maroden Banken nicht.Seit gestern haben es die Japaner schriftlich: Sie stecken in einer Rezession.

Erstmals seit 23 Jahren mußte die Wirtschaftsplanungsbehörde in Tokio für das im März 1998 zu Ende gegangene Wirtschaftsjahr ein Negativwachstum von 0,7 Prozent bekanntgegeben.Der Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal des Jahres lag sogar bei 1,3 Prozent, nachdem er im vorausgegangenen Quartal 0,2 Prozent betragen hatte.Dies weist auf eine Rezession hin, wenngleich der Begriff offiziell noch vermieden wird.Die Zahlen sprächen allerdings für den Ernst der Lage, sagte der Leiter der Planungsbehörde, Shimpei Nukaya.

Der Yen war bereits am Donnerstag gegenüber dem US-Dollar auf den tiefsten Stand seit acht Jahren gesunken.Die japanische Börse hielt sich nur mühsam über dem Tiefststand vom Mittwoch.Die Experten sind sich einig, daß die meisten der japanischen Probleme hausgemacht sind.Die leichtfertige Vergabe von Krediten vor allem im Immobilienbereich hat dazu geführt, daß die japanischen Banken Außenstände in Höhe von 76 Billionen Yen haben, von denen sie kaum wissen, ob sie sie jemals wiedersehen.

Inzwischen geht in den Nachbarländern Japans die Angst um, Tokio könnte den Yen absichtlich weiter fallen lassen, um der eigenen Wirtschaft mit einem Exportboom auf die Beine zu helfen.Die Furcht wächst, daß nun auch China und Kongkong mit einer Abwertung ihrer Währungen reagieren müssen.Daß es künftig zu verstärkten Handelsspannungen und steigendem Protektionsmus kommt, gilt unter Experten zudem längst als ausgemacht."Wir wissen, daß der Schlüssel für eine Erholung in Asien in Japan liegt", erklärte Kazuyuki Hayashi, Manager bei Kawasaki Heavy.Doch als Unternehmen könne man nichts tun.Die Firmen seien gezwungen, ihre Kosten und die Produktion weiter zurückzufahren, was wiederum zu sinkenden Löhnen und steigender Arbeitslosigkeit führt.Das aber beeinträchtigt den Konsum im im eigenen Land, der mit sechzig Prozent zum Inlandsprodukt beiträgt.Bleibt noch die Regierung.

Doch Ministerpräsident Ryutaro Hashimoto will offenbar abwarten.Er setzt auf das jüngstes Konjunkturpaket im historischen Volumen von 16,6 Billionen Yen.Damit werde es möglich sein, das Wachstumsziel von 1,9 Prozent in diesem Jahr doch noch zu erreichen, hieß es gleich nach Bekanntgabe der katastrophalen Wirtschaftsdaten am Freitag.Experten jedoch erwarten davon nur eine sehr begrenzte, vorübergehende Wirkung.Und bis die Maßnahmen greifen, werden noch einige Monate vergehen.

Erstmals reagierten die internationalen Börsen heftig auf die Daten aus Japan.In den USA seien inzwischen die ersten Auswirkungen der Asienkrise auf die Unternehmensgewinne bemerkbar.In Europa hielten sich die Kurseinbußen gestern noch in Grenzen.Die deutschen Aktien verloren im Parketthandel knapp 84 Punkte.Im Xetra-Handel verlor der Dax ein weiteres Prozent.Händler sagten, generell sei Deutschland immer noch ein "Hort der Glückseligkeit".In London gab der Index der 100 führenden Werte bis zum frühen Nachmittag rund ein Prozent auf 5789 Punkte nach.In Paris verlor das Börsenbarometer bis dahin 1,75 Prozent auf 4069 Zähler, und an der Schweizer Börse fiel der Index um gut ein Prozent auf 7416 Punkte.

Im Sog des Kursverlustes des Yen gegenüber dem Dollar wurde auch die DM gegenüber der amerikanischen Währung deutlich schwächer.Zum Fixing am Freitag wurde die Devise mit über 1,80 DM festgestellt, mehr als zwei Pfennige über dem Mittwochs-Schlußkurs."Die Yen-Schwäche hat den Dollar als Krisenwährung in Erinnerung gerufen", erklärten Händler in Frankfurt.

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