Wirtschaft : Japan spielt Schlüsselrolle bei der Überwindung der Asienkrise

Internationaler Währungsfonds verordnet Staaten mehr Offenheit und größere Verantwortung für private Banken - und gibt das Prinzip der strikten Vertraulichkeit auf WASHINGTON (rtr/dpa).Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat eine Reform des Weltfinanzsystems vorgeschlagen.Damit sollen Wirtschaftskrisen wie die in Asien künftig verhindert werden.Die 182 Mitgliedsstaaten sollen ihre Finanzaufsicht verbessern und wichtige Wirtschaftsdaten offenlegen.Zudem sollen Banken und private Anleger ihr Risiko nicht auf den Steuerzahler abwälzen können.Dies sind die Kernpunkte des Reformprogramms, das der IWF-Interimsausschuß - das wichtigste Beschlußgremium des IWF - vorlegte.Das politische Aufsichtsorgan des Fonds hatte zuvor zehn Stunden lang beraten. Zudem forderten IWF und Weltbank auf der Frühjahrstagung Japan erneut auf, seine Wirtschaft anzukurbeln, damit es in Südostasien wieder aufwärts gehe.US-Finanzminister Robert Rubin sagte, die Volkswirtschaften in Asien und die Weltwirtschaft könnten sich nur dann erholen, wenn Japan seine Rezession überwinde und sein Finanzsystem stärke.Michel Camdessus, der geschäftsführende IWF-Direktor, sagte, Japan müsse seine Wirtschaftsstrukturen reformieren.Die japanische Regierung, die ein Zehn-Billionen-Yen- Konjunkturprogramm angekündigt hat, teilte mit, die Medien hätten die Wirtschaftspolitik verzerrt dargestellt.Deshalb hätten die Märkte überreagiert.Nach einer Prognose der Weltbank wird die Asienkrise den Aufschwung der Weltwirtschaft in diesem Jahr spürbar dämpfen.Allerdings sei damit zu rechnen, daß sich die Konjunktur anschließend rasch wieder erhole.Der Interimsausschuß stellte klar, es sei nicht allein eine Aufgabe der Regierungen, Finanzkrisen zu bewältigen: Vielmehr müßten auch die privaten Banken, die Geld in bestimmten Ländern investierten, ihren Beitrag leisten, um solche Krisen zu lösen.Viele Banken müßten die Risiken ihres Engagements eingehender als bisher prüfen.Auch müsse künftig verhindert werden, daß aus privaten Schulden durch staatliche Garantien öffentliche Schulden würden. Der Ausschuß griff auch die Forderung Deutschlands auf, den IWF mit besseren Druckmitteln auszustatten: Im Zuge eines mehrstufigen Verfahrens soll es nach Ansicht des Gremiums künftig möglich sein, daß der Währungsfonds öffentliche Mahnungen ausspricht, falls einzelne Länder die internen Warnungen ignorieren.Bisher galt die strikte Vertraulichkeit über die Beratungen mit Mitgliedsländern als oberstes Prinzip des IWF.Bundesfinanzminister Theo Waigel, Vertreter Deutschlands im Interimsausschuß, räumte ein, öffentliche Warnungen könnten zwar zu Turbulenzen in dem betroffenen Staat führen und die Krise beschleunigen.Aber das sei besser, als dabei zuzusehen, wie ein Land immer tiefer im Strudel der Krise versinke. Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer sagte, man müsse die Frage stellen, ob die Kreditpolitik des IWF so weitergehen könne wie bisher.Der IWF hatte nach Ausbruch der Krise in Südostasien im vergangenen Jahr allein Südkorea, Indonesien und Thailand Finanzhilfen von weit über 100 Mrd.Dollar (180 Mrd.DM) zugesagt. Unterdessen verständigten sich die großen Industrienationen, die Gruppe der Sieben, und 15 aufstrebenden Schwellenländer darauf, gemeinsam Schritte zur Bewältigung von regionalen Finanzkrisen zu entwickeln.Ziel sei es, bis zur Herbsttagung von Weltbank und IWF entsprechende Ideen zu entwickeln, sagte Tietmeyer.Allerdings seien Bundesregierung und Bundesbank dagegen, zur Lösung dieser Probleme eine feste Gruppe aus Industrie- und Schwellenländern einzurichten.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben