Wirtschaft : Japan startet "Big Bang"-Reform des Finanzmarktes

Vollständige Umsturierung bis zum Jahr 2001 geplant TOKIO (dpa/AFP/AP).Im Rahmen einer umfassenden Reform des angeschlagenen Finanzmarktes ist in Japan am Mittwoch ein neues Devisengesetz in Kraft getreten.Damit werden nahezu sämtliche Restriktionen für einen grenzübergreifenden Kapitalverkehr abgeschafft.Künftig können Privatpersonen und Unternehmen ohne staatliche Lizenzen unbegrenzt Devisen tauschen und vollkommen frei mit Finanzinstitutionen im Ausland Geschäfte abwickeln. Das neue Devisengesetz bildet zugleich den Auftakt zu einer ganzen Reihe von Reformschritten, die unter dem Namen "Big Bang" bis zum Jahr 2001 zu einer vollständigen Umstrukturierung des Finanzsystems führen sollen.Am Mittwoch trat auch ein neues Notenbankgesetz in Kraft, das der Bank of Japan (BoJ) weitgehende Unabhängigkeit garantiert.Weitere Schritte sind etwa die Deregulierung der Broker-Kommissionen oder die Erlaubnis für Banken, künftig eigene Investmenttrusts verkaufen zu können.Den Schlußpunkt soll im Fiskaljahr 2001 die Liberalisierung der Versicherungsbranche bilden.Dann können auch Banken und Wertpapierhäuser in diesem Sektor operieren. Ziel ist es, den wegen seiner rigiden Struktur kritisierten und durch Korruptionsskandale stark angeschlagenen Finanzplatz für den globalen Wettbewerb zu stärken.Die Öffnung für ausländische Konkurrenz dürfte aber auch zu einem massiven Verdrängungswettbewerb führen.Das riesige Sparvermögen der Japaner mit einem Volumen von umgerechnet 16,2 Billionen DM lockt die Konkurrenz.Nach Einschätzung von Jesper Koll, Chefökonom beim US-Broker J.P.Morgan, dürfte etwa ein Drittel der Institute in Japan in drei bis fünf Jahren nicht mehr existieren.Am Mittwoch meldete ein weiteres Institut, die Hypothekenbank Daiichi Corp., Konkurs an.Die Börse reagierte denn auch wenig euphorisch: Die Aktienkurse um 1,7 Prozent nach, der Yen rutschte mit 134,1 je Dollar auf ein Drei-Monats-Tief.

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