Wirtschaft : Japan zeigt sich optimistisch

egl/ jhw

Der japanische Yen wird immer stärker. Am Dienstag erreichte der Schwindel erregende Anstieg des Yen-Kurses einen neuen Höhepunkt. Für einen Dollar musste man nicht einmal 107 Yen zahlen - so wenig wie seit dem 15. Mai 1996 nicht mehr. Wie der Dollar gab auch der Euro nach: Ein Euro kostete nur noch 110,25 Yen. Zwar kaufte die japanische Notenbank erneut kräftig Dollar, um den Yen wenigstens ansatzweise zu schwächen. Aber die erwünschte Wirkung blieb aus: Der Dollarkurs rutschte, der Yenkurs stieg.

Schon fürchten die traditionell exportstarken japanischen Unternehmen um ihre Geschäfte im Ausland. Denn mit dem steigenden Yen werden ihre Waren im Ausland immer teurer. Noch im vergangenen Jahr hatte der Finanzmarkt in Tokio einen Absturz des Yen Richtung 200 Yen je Dollar befürchtet. Davon ist jetzt nichts zu spüren. Der Anstieg des Yen hängt mit dem wachsenden Vertrauen ausländischer Investoren darin zusammen, dass sich die japanische Volkswirtschaft endlich erholt und die jahrelange Rezession überwindet.

Finanzminister Kiichi Miyazawa erklärte trotz der verschärften Yen-Hausse am Dienstag, er werde den Kursanstieg des Yen beim Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der sieben wichtigsten Industrienationen (G 7) am 25. September in Washington von sich aus nicht zum Thema machen. Die Hausse des Yen sei grundsätzlich das Problem Japans, also habe sich auch Japan darum zu kümmern.

Für Tokios Aktienbörse zog der Yen am Dienstag allerdings ein wenig zu heftig an. Vor allem exportorientierte Titel gerieten unter Druck. Der Nikkei-Index verlor 132 Punkte und schloss mit 17 777,22 Zählern. Ein Dollar-Kurs von 105 bis 106 Yen sei für viele dann doch etwas zu weit von dem Kurs entfernt, den die meisten japanischen Firmen kalkuliert hatten, sagte Kunihiro Hatae von Tokyo Securities. Freilich hat der Nikkei seit Jahresbeginn um 32,5 Prozent zugelegt - deutlich mehr als der Dow-Jones-Index der amerikanischen Standardaktien, der seit Januar ein Plus von gut 20 Prozent machte, und der Deutsche Aktien-Index Dax, der sich bis Dienstag bloß um 2,8 Prozent verbesserte.

Der Aufschwung des Nikkei-Index hängt mit den immer besseren Aussichten der japanischen Konjunktur zusammen. Denn weitaus schneller als erwartet kehren die asiatischen Volkswirtschaften wieder zu einem beachtlichem Konjunktur-Plus zurück und lassen die schweren Finanzturbulenzen vergessen. Der Umschwung stabilisiert die Konjunktur in Japan, weil die japanischen Unternehmen in den einstigen Krisenländern wichtige Absatzmärkte haben.

Nun hellte sich die Stimmung auf, weil die Asiatische Entwicklungsbank ihre Konjunkturprognose revidierte - nach oben. Angeführt wird, davon sind die Ökonomen der Bank überzeugt, der Wirtschaftsaufschwung in der aufstrebenden Region durch Südkorea. Dessen Wirtschaftskraft legte im ersten Quartal inflationsbereinigt um 4,6 Prozent zu und erlebte dann im zweiten Quartal einen regelrechten Schub von 9,8 Prozent. Das ganze Jahr werde das kürzlich noch kriselnde Südkorea mit einem Aufschwung von acht Prozent abschließen. Die Volkswirtschaft habe in der Region somit die Rolle der Konjunkturlokomotive übernommen, die jetzt Taiwan, Singapur, die Philippinen und Thailand antreibe.

Die Ausweitung der Binnennachfrage durch eine Ausgabenpolitik gegen die Deflation nach den Finanzturbulenzen benennen die Ökonomen als wichtigen Antriebsfaktor des Aufschwungs. Geholfen habe eine starke Nachfrage nach Halbleitern und anderen elektronischen Produkten aus aller Welt. Ob jedoch die Wirtschaftserholung in der Region in Schwung gehalten werde, hänge sehr davon ab, ob die Unternehmen, vor allem die Banken, an den notwendigen Restrukturierungen festhalten. Die Asiatische Entwicklungsbank erwartet für das laufende und das kommende Jahr einen Aufschwung von rund 5,5 Prozent. Gleichwohl stünden die meisten Länder noch vor gewaltigen dringend notwendigen Reformen. Ein Risiko sei die drohende Abwertung der chinesischen Währung, die die Wettbewerbsfähigkeit nicht-chinesischer Waren gegenüber chinesischen Produkten verschlechtert. Doch deuteten der Höhenflug an den heimischen Börsen und die günstigeren Perspektiven in Europa auf eine Stärkung der asiatischen Konjunktur hin.

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