Wirtschaft : Japaner kaufen Kerngeschäft von Babcock Borsig

Drei Interessenten für die Berliner Konzerntochter

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Berlin (fo). Für das Kerngeschäft des insolventen Maschinen und Anlagenbauers Babcock Borsig hat sich ein Investor gefunden. Nach Informationen des Vorstandschefs von Babcock Borsig, Horst Piepenburg, ist am Donnerstag ein Kaufvertrag mit der japanischen Babcock-Hitachi zur Übernahme von 90 Prozent der Babcock Borsig Power Systems (BBPS) unterzeichnet worden. Die BBPS war als Auffanggesellschaft für die Energie- und Umwelttechnik des Konzerns gegründet worden und beschäftigt 2600 Mitarbeiter. Offen ist, ob Hitachi nicht nur den Kraftwerksbau, sondern auch den Service komplett übernehmen will.

Die beiden Unternehmen haben trotz der Namensverwandtschaft bislang keinerlei rechtliche Verbindung, sind allerdings vor Jahrzehnten aus den weltweiten Aktivitäten der britischen Babcock & Wilcox entstanden. Hitachi will mit BBPS in den europäischen Kraftwerksmarkt einsteigen. Bislang spielten die Japaner hier keine besondere Rolle. Das Unternehmen beschäftigt insgesamt 2800 Mitarbeiter bei einem Umsatz von 930 Millionen Euro.

Babcock-Borsig hatte im Sommer nach einer vergeblichen Rettungsaktion unter Beteiligung des heutigen Wirtschaftsministers Wolfgang Clement (SPD) Insolvenz angemeldet. Grund war eine akute Liquiditätskrise, die durch den Verkauf der Werftentochter HDE in Kiel verschärft worden war. Der Fall ist inzwischen Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen ehemalige Manager und Aufsichtsräte des Industriekonzerns. Von dem Zusammenbruch betroffen waren 21 000 Arbeitnehmer, davon 11 000 in Deutschland. Insolvenzexperte und Vorstandschef Piepenburg bezifferte zum Jahresende die Zahl der gesicherten Stellen auf etwa 18 200, einschließlich der jetzt veräußerten BBPS. Verkauft sind das US-Geschäft Babcocks sowie die Tochter Balcke Dürr. Für den Maschinenbauer Schumag in Aachen werden noch Investoren gesucht, doch besteht keine Eile, weil das Unternehmen profitabel ist.

Die Berliner Tochter Borsig GmbH hatte sich schon frühzeitig aus dem Insolvenzverfahren des Konzerns herausgelöst. Für einen Teil mit rund 500 Beschäftigten fand sich bereits im Herbst ein Käufer. Rund 260 Mitarbeiter sind in einer Auffanggesellschaft beschäftigt, für die sich nach Angaben des Insolvenzverwalters Christian Köhler-Ma drei Investoren interessieren. Er sei zuversichtlich, in den kommenden Wochen einen Vertrag schließen zu können.

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