• Japanische Zeitungen berichten über fortgeschrittene Verhandlungen - Beide Autohersteller passen hervorragend zusammen

Wirtschaft : Japanische Zeitungen berichten über fortgeschrittene Verhandlungen - Beide Autohersteller passen hervorragend zusammen

DaimlerChrysler ist japanischen Presseberichten zufolge an einer 30-prozentigen Beteiligung an Mitsubishi Motors interessiert. Die japanische Wirtschaftszeitung "Nihon Keizai" berichtete, DaimlerChrysler wolle eng mit Mitsubishi Motors zusammenarbeiten und sich mit 30 Prozent an dem Wettbewerber beteiligen. Beide Unternehmen seien in bereits weit fortgeschrittenen Verhandlungen. Die Autohersteller lehnten es jedoch auf Anfrage ab, die Medienberichte über angebliche Kooperationspläne zu kommentieren.

Die japanische Tageszeitung "Yomiuri" berichtete in ihrer Internetausgabe, bei den Plänen gehe es im Wesentlichen um die Entwicklung von kleineren Fahrzeugen. In anderen Zeitungsberichten hieß es weiter, eine Grundsatzvereinbarung solle noch in diesem Monat erreicht werden. Die beiden Großaktionäre von Mitsubishi Motors, Mitsubishi Heavy Industries und Mitsubishi Corp, hätten gegen eine DaimlerChrysler-Beteiligung nichts einzuwenden.

Durch eine Anbindung würde den Berichten zufolge der weltweit drittgrößte Autohersteller hinter den US-Konzernen General Motors und Ford entstehen. Zusammen würden DaimlerChrysler und Mitsubishi jährlich rund 6,5 Millionen Fahrzeuge produzieren. "Theoretisch passen DaimlerChrysler und Mitsubishi hervorragend zusammen", sagte Automobil-Analyst Howard Smith von ING Barings in Tokio.

Eine Beteiligung von 30 Prozent wäre nach gegenwärtigen Marktpreisen rund 854,9 Millionen Dollar (1,71 Milliarden Mark) wert. Beflügelt von Fusionsspekulationen schloss die Aktie von Mitsubishi am Dienstag an der Tokioter Aktienbörse um gut 24 Prozent höher auf 413 Yen. Die Anteilsscheine von DaimlerChrysler gaben dagegen zur Kasse an der Frankfurter Wertpapierbörse um 1,35 Prozent auf 64,85 Euro nach.

Einige Analysten waren der Ansicht, dass es über die Höhe der Beteiligung zu Streitigkeiten kommen könnte. "DaimlerChrysler wird wahrscheinlich mehr als 33,4 Prozent an Mitsubishi fordern, während Mitsubishi den Anteil bei vermutlich 25 Prozent halten möchte", sagte Tadayuki Nakamura, Analyst beim Sakura Intitute of Research. "Die Situation sieht sehr ungewiss aus", fügte er hinzu. Die Analysten wiesen ebenfalls darauf hin, dass Mitsubishi und DaimlerChrysler bereits in der Vergangenheit Interesse an einer Allianz gezeigt hätten. Anfang der 90er Jahre hatten sie eine umfangreiche Geschäftsbeziehung angekündigt, die angeblich in Missstimmung auseinander ging. Im vergangenen Jahr hatte DaimlerChrysler Gespräche mit Nissan Motor Co geführt, diese allerdings wegen der hohen Verschuldung des japanischen Fahrzeugherstellers abgebrochen. Mitsubishi ist mit 1,75 Billionen Yen verschuldet. Dies liegt nicht so weit unter den zwei Billionen Yen, die Nissan für das vergangene Jahr ausgewiesen hatte.

DaimlerChrysler und Mitsubishi läuft nach Analystenansicht die Zeit weg. Dieser Druck dürfte das Gesprächsinteresse ausgelöst haben, sagten die Branchenkenner. DaimlerChrysler müsse aus Wettbewerbsgründen in Asien Fuß fassen. Die Zahl der möglichen Übernahmeziele in der Region sei jedoch klein. Für die finanziell angeschlagene Mitsubishi Motors wäre die Kooperation ein Rettungsanker. Durch die Konsolidierung in der Branche war das japanische Unternehmen in jüngster Zeit zunehmend in die Isolation geraten. Zudem könne Mitsubishi nicht mehr die langfristigen Forschungskosten tragen, die durch strengere Umweltauflagen in Japan auf den Automobilhersteller zukommen.

Eine Allianz von DaimlerChrysler und Mitsubishi dürfte zu einer Reihe von Diskussionen bei anderen Automobilherstellern führen, sagten Analysten. Auch die Frage über die Zukunft der Verbindung von Mitsubishi und Volvo dürfte dabei aufgeworfen werden. Im Dezember 1999 hatten Mitsubishi und der schwedische Lkw-Hersteller Volvo bekannt gegeben, durch eine strategische Partnerschaft eine der führenden Nutzfahrzeug-Gruppen der Welt werden zu wollen. Die beiden Unternehmen kündigten dazu eine Überkreuzbeteiligung von je fünf Prozent des Aktienkapitals an.

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