Wirtschaft : Japans Krise: Kommentar: Das Land braucht mehr als billiges Geld

Karin Birk

Die japanische Notenbank setzt ein klares Zeichen: Die Geldpolitiker fahren quasi eine Nullzins-Politik. Damit wollen sie ein weiteres Abdriften der seit Jahren kränkelnden Wirtschaft vermeiden, die trotz unzähliger staatlicher Konjunkturprogramme in den vergangenen zehn Jahren nicht auf die Beine kommt. Doch mit günstigen Krediten allein ist es nicht getan. Solange die Geschäftsbanken, die Unternehmen und die Konsumenten nicht genügend Kredite nachfragen und das Geld auch investieren, verpuffen die geldpolitischen Impulse. Damit wieder investiert wird, ist zuerst Vergangenheitsbewältigung erforderlich: Banken und Unternehmen müssen die Leichen aus ihren Kellern räumen. Es ist höchste Zeit, dass die Banken die unzähligen faulen Kredite, die sie immer noch aus der Immobilienkrise Ende der 80er Jahre in ihren Büchern haben, abschreiben. Auch in Japan muss es trotz enger Verflechtung von Unternehmen und Banken möglich sein, bei verlustbringenden Projekten den Geldhahn zuzudrehen. Dies kann zwar Unternehmen oder Finanzinstitute an den Rand des Ruins treiben. Möglicherweise muss auch die Regierung einspringen, um besondere Härten abzufedern. Doch es gibt keine Alternative. Nur wenn Unternehmen nicht länger defizitäre Sparten hinter sich herziehen, wenn Banken sich von der Last fauler Kredite befreien und alle die Vergangenheit hinter sich gelassen haben, werden sie sich mit voller Kraft der Zukunft zuwenden können. Dann steigt auch wieder die Kreditnachfrage, und Unternehmen investieren in wettbewerbsfähige Geschäfte. Im Umkehrschluss gewähren auch erst dann wieder die Banken in großem Umfang Kredite und wird die Politik des billigen Geldes den erwünschten Erfolg bringen.

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