Japans Wirtschaft : Toyota steht still – Tepco stürzt ab

Die Erdbeben- und Atomkatastrophe bringt japanische Unternehmen und den Aktienmarkt in immer größere Schwierigkeiten. Toyota muss seine Produktion in den USA stoppen. Die Aktie des Fukushima-Betreibers verliert mehr als 18 Prozent.

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Imageprobleme. Toyota hat nach den Rückrufaktionen schon viele Kunden in den USA verloren. Der Produktionsstopp bremst die Japaner nun vollends aus.
Imageprobleme. Toyota hat nach den Rückrufaktionen schon viele Kunden in den USA verloren. Der Produktionsstopp bremst die Japaner...Foto: picture alliance / dpa

Der japanische Autohersteller Toyota kündigte am Dienstag in den USA an, er werde die Produktion dort ganz oder teilweise stoppen müssen. Dies sei „unvermeidbar“, da in Japan gefertigte Teile fehlten, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Betroffen sind 25 000 Mitarbeiter in 13 nordamerikanischen Werken. Es sei aber noch nicht klar, wann, wie lange und wo genau die Produktion angehalten werde. Toyota verliert wegen der millionenfachen Rückrufaktionen seit 2009 Marktanteile auf dem wichtigen US-Markt. Die Produktion in Japan steht schon seit dem Erdbeben still. Die Toyota-Aktie fiel um drei Prozent.

Deutlich härter traf es Tepco, den Betreiber des Kernkraftwerks in Fukushima. Das Papier fiel am Dienstag um mehr als 18 Prozent auf den tiefsten Stand seit 59 Jahren. Der Absturz zog den Aktienmarkt in Tokio mit nach unten. Der Nikkei-Index verlor 1,1 Prozent. Anleger reagierten auf Meldungen, wonach die Menschen aus der Gegend um das zerstörte AKW Fukushima erste Entschädigungszahlungen bekommen sollen. Das Geld könnte zum Monatsende fließen – wie viel, ist aber noch unklar. Über die Höhe müsse Tepco noch mit der Regierung verhandeln, berichtete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf den Konzern. Tepco hat bereits damit begonnen, neun betroffenen Gemeinden jeweils umgerechnet 170 000 Euro zu zahlen.

Zuletzt war über eine drohende Verstaatlichung des angeschlagenen Unternehmens spekuliert worden. Seit dem Erdbeben am 11. März und der Reaktorkatastrophe hat die Aktie des größten japanischen Energieversorgers mehr als 80 Prozent an Wert verloren. Seine Bilanz des Geschäftsjahrs, das bis Ende März lief, verschob der Konzern am Dienstag auf unbestimmte Zeit, wie ein Sprecher sagte. Eigentlich war die Vorlage der Zahlen für den 28. April vorgesehen. Die Ratingagenturen Moody's und Standard & Poor's haben Tepco wegen des Unfalls und der noch nicht abzusehenden Kosten für Reparaturen und Entschädigungen bereits stark heruntergestuft.

Mit ähnlichen Konsequenzen muss auch Toyota rechnen. Der Produktionsstopp in den USA trifft den größten Autohersteller der Welt an einer empfindlichen Stelle. In den USA waren die Verkäufe nach einer Serie von technischen Pannen in den vergangenen 18 Monaten stark zurückgegangen. Wegen des anhaltend hohen Yen-Kurses musste Toyota zuletzt die Preise für die meisten seiner US-Modelle erhöhen. Den ersten Platz in der Gunst der US-Autokäufer verlor der Autohersteller mittlerweile an den Konkurrenten Ford. 2010 hatte Toyota in seinen nordamerikanischen Werken rund 2,1 Millionen Autos produziert.

Erst die Rückrufe, jetzt die Folgen der Katastrophe in Japan: „Toyota muss zwei große Rückschläge innerhalb kurzer Zeit verdauen“, kommentierte der Duisburger Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer die Lage des Herstellers. Dabei fällt nicht nur der Produktionsstopp in den USA ins Gewicht. Der japanische Automarkt werde zu 95 Prozent von japanischen Autobauern bedient, gibt Dudenhöffer zu bedenken. Zusammen mit Daihatsu komme der Hersteller auf dem Heimatmarkt auf einen Anteil von 44 Prozent. Insgesamt wurden in Japan im vergangenen Jahr 4,2 Millionen Autos verkauft. „Damit muss Toyota gemeinsam mit Daihatsu in den nächsten fünf Jahren in Japan einen Verkaufsrückgang um 1,32 Millionen Pkw hinnehmen“, schätzt Dudenhöffer. Der Wiederaufbau der Werke binde Kapital und führe zu Verzögerungen bei der Entwicklung neuer Produkte.

Gute Nachrichten für seine Kunden in der Automobilindustrie, darunter Toyota, hatte am Dienstag der deutsche Pharma- und Chemiehersteller Merck: Von Juni an will das Unternehmen seine Spezialfarben wieder in Japan produzieren. „Die Reparaturarbeiten in Onahama haben Anfang der Woche begonnen“, sagte ein Sprecher. Spezielle Autolacke waren zuletzt knapp geworden. (mit dpa, rtr)

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