Wirtschaft : JDS Uniphase: Höchster Verlust aller Zeiten bei Telekom-Zulieferer

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JDS Uniphase, der weltgrößte Hersteller von Glasfaser-Komponenten für die Telekom-Industrie, hat eine Wertberichtigung der in den letzten zwei Jahren gekauften Firmen in Höhe von 44,8 Milliarden US-Dollar vorgenommen. Es handelt sich um den größten Verlust eines nordamerikanischen Unternehmens in der Geschichte. JDS begründete die Verluste mit wegbrechenden Umsätzen und überteuerten Firmeneinkäufen in der Vergangenheit. Nach Schluss der US-Börsen am Donnerstag teilte JSD weiter mit, die Auftragslage sei schlechter als angenommen und erfordere die Entlassung von weiteren 7000 Mitarbeitern - das ist mehr als ein Drittel der Belegschaft. Anzeichen für eine Trendwende seien nicht in Sicht. Seit Jahresanfang hat JDS bereits 9000 Mitarbeitern gekündigt. JDS will ferner ein Drittel seiner Fabrikflächen freimachen, drei Flugzeuge und 25 Gebäude in neun Städten verkaufen.

"Die Netzanbieter haben ihre Ausgaben angepasst. Wir sehen die Folgen davon im Auftragseingang und warten noch auf Anzeichen für eine Umkehr dieses Trends", sagte JDS-Chef Jozef Straus. Der Verlust von 50,6 (Vorjahresverlust 0,8) Milliarden Dollar übersteigt den Umsatz von 3,3 Milliarden Dollar um das 16-fache. Sorgen um einen möglichen Liquiditätsengpass spielte JDS aber herunter, indem das Unternehmen auf einen positiven Cash Flow und rund 1,6 Milliarden Dollar an liquiden Mittel hinwies.

Überteuerte Übernahmen

JDS Uniphase hatte auf dem Höhepunkt der Internet- und Telekomhausse zahlreiche einschlägige Firmen im Zuge von Aktientausch-Transaktionen sehr teuer übernommen. Dazu zählten unter anderem JDS Fitel, SDL, E-Tek und OCLI. Der Wert dieser Investments ist inzwischen dramatisch gefallen und machte deshalb die hohen Sonderabschreibungen notwendig. Dabei handelt es sich um reine Papierverluste.

Noch vor einem Jahr hatte JDS zu den begehrtesten Aktien an der Wall Street gehört. Etliche Konkurrenten haben zuletzt den Gürtel enger geschnallt, darunter Alcatel SA, Lucent Technologies, Nortel Networks und Corning. "Der Abschwung ist außerordentlich hart", sagte Konzernchef Straus. Am Donnerstagnachmittag ließ JDS an der Nasdaq und Toronto Stock Exchange den Handel einstellen, nachdem einem Computer-Hacker der Zugang zur Pressemitteilung über das Quartalsergebnis gelungen war. Die Zahlen sollten erst nach Börsenschluss veröffentlicht werden. In der Folge fielen die JDS-Papiere um fast 15 Prozent auf 8,10 Dollar. Vorbörslich setzte die Aktie am Freitag ihre Talfahrt fort und fiel auf 7,75 Dollar.

JDS hatte in diesem Jahr sein Ergebnisziel bereits sechs Mal nach unten berichtigt. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2001 ist unter Berücksichtigung von Abschreibungen und anderen Sonderbelastungen ein Verlust von 7,9 Milliarden Dollar angefallen - nach 418,8 Millionen Dollar Defizit in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Der Umsatz stieg auf 601,1 (524) Millionen Dollar. Daraus ergibt sich für das Geschäftsjahr ein Verlust von 50,6 Milliarden Dollar im Vergleich zu 904,7 Millionen Dollar im Jahr zuvor. Das Finanzziel könne auch im ersten Quartal des neuen Jahres nicht erreicht werden, teilte JDS mit.

Analysten sehen nach den düsteren Prognosen eine Erholung in der Telekombranche in weite Ferne gerückt. "Das erschüttert die Annahme, dass die Talsohle erreicht ist - da kommt noch einiges auf uns zu", sagte Anthony Scilipoti, Analyst bei Veritas Investment Research. "Vergessen wir die angebliche Erholung in der zweiten Jahreshälfte."

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