Wirtschaft : „Jeanne“ und „Frances“ kosten Milliarden

Die Hurrikane haben in den USA Riesenschäden angerichtet. Versicherer erhöhen die Prämien

Heike Jahberg

Berlin – Die verheerenden Wirbelstürme, die in den vergangenen sechs Wochen den amerikanischen Süden und die Karibik heimgesucht haben, haben nicht nur Tausende Menschen das Leben gekostet, Analysten rechnen auch mit hohen Belastungen für die Versicherungswirtschaft. Nach Berechnungen der Rating-Agentur Fitch wird allein der Hurrikan „Jeanne“, der am Wochenende eine Spur der Verwüstung durch Florida gezogen hatte, die Versicherungsbranche weltweit zwischen vier und 14 Milliarden Dollar kosten. „Jeanne“ war nach „Charley“, „Frances“ und „Ivan“ bereits der vierte Wirbelsturm, der die Region seit Mitte August heimgesucht hat. Und noch ist die Gefahr nicht gebannt: Derzeit ziehen neue Unwetter an. Insgesamt schätzt Fitch, dass die vier Hurrikane zusammen die Versicherer mit 22 Milliarden US-Dollar belasten – das sei der höchste Schaden, den Wirbelstürme jemals in den USA angerichtet haben.

Noch hoffen die Versicherer, dass es sich um ein einmaliges Phänomen handelt. „Das letzte Mal, dass vier Hurrikane denselben Bundesstaat trafen, war 1886 in Texas“, schreiben die Experten von Fitch. Versicherungsmathematiker rechnen nach Informationen der Hannover Rück mit Zeiträumen von 50 Jahren, in denen sich solche Katastrophen abspielen.

Obwohl die meisten Todesopfer bisher auf Haiti zu beklagen sind, setzen den Versicherern die Schäden in Florida deutlich mehr zu. Das hat einen einfachen Grund: „In Haiti ist niemand versichert“, weiß Manfred Poweleit, Herausgeber des Branchendienstes „map-Report“. „Wenn dagegen ein Wirbelsturm durch Miami fegt, sieht die Sache anders aus.“

Welche Kosten ihnen „Jeanne“ eingebrockt hat, können die Versicherer noch nicht abschätzen. „Wir sind noch bei der Bestandsaufnahme“, heißt es bei der Münchener Rück, dem weltgrößten Rückversicherer. Bei Rückversicherern können sich Erstversicherer, die Privatleute oder Firmen gegen Schäden versichern, ihrerseits absichern. Trotz der jüngsten Katastrophen hofft die Münchener Rück, das Jahr mit einem Gewinn von zwei Milliarden Euro abschließen zu können. Allerdings, räumt man in München ein, werde es allmählich schwerer, dieses Ziel zu erreichen. Die Münchener Rück schätzt die Belastungen, die durch die Hurrikane in den USA und die Taifune im Pazifik auf sie zukommen, auf eine Gesamtsumme von rund 500 Millionen Euro.

Auch die Hannover Rück, die Nummer fünf auf dem weltweiten Rückversicherungsmarkt, hält trotz der jüngsten Stürme an ihrer Ergebnisprognose für das laufende Jahr fest. Der Gewinn soll zwischen 390 und 430 Millionen Euro liegen.

Die Stürme in den USA haben Konsequenzen für die Versicherungsprämien auf aller Welt, auch in Europa. Die ursprünglich für das nächste Jahr erwarteten Prämiensenkungen von zehn bis 15 Prozent bei Rückversicherungen für Naturkatastrophen wird es nicht geben, sagte Hannover-Rück-Sprecherin Gabriele Handrick dem Tagesspiegel. Stattdessen seien sogar „moderate Preiserhöhungen“ als Folge der Hurrikane möglich. Denn: „Die Märkte sind weltweit miteinander verbunden.“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben