Wirtschaft : Jeans: Der Siegeszug einer Hose

Melanie Hinter

Der Ursprung der Jeans liegt in Deutschland. Genauer gesagt im fränkischen Buttenheim. Dort wurde nämlich 1829 Löb Strauss, später bekannt als "Levi" Strauss, geboren. Er war 18 Jahre alt, als sein Vater an Schwindsucht starb und seine Mutter mit ihm und seinen beiden Schwestern die fränkische Heimat gegen New York eintauschte. Dort arbeitete er zunächst im Tuchhandel seiner zwei Brüder, lernte Englisch und nannte sich fortan Levi.

Der Goldrausch in Kalifornien zog auch bald den jungen Levi in seinen Bann. 1843 folgte er dem Ruf des glänzenden Metalls gen Westen. Bepackt mit Stoffballen, Wagenplanen, Zeltplanen und Leinwandballen aus dem New Yorker Laden machte er sich auf den Weg nach San Francisco.

Schon bald erkannte er, dass die Minenarbeiter etwas ganz Besonderes benötigten: eine strapazierfähige, robuste und unverwüstliche Hose. Was schien für eine solche Hose besser geeignet zu sein, als robuste Zeltplanen, dachte sich der Jungunternehmer und beauftragte einen Schneider mit der Herstellung einer solchen Hose.

Der Legende nach soll der erste Kunde so begeistert von der neuen Hose gewesen sein, dass er die ganze Nacht damit durch die Stadt zog. Dabei berichtete er jedem von den wunderbaren Hosen des Levi Strauss. Der nannte seine Erfindung "waist overall" und von dem Aussehen unser heutigen Jeans waren sie noch um einiges entfernt. Sie waren braun, wie die Zeltplanen, aus denen sie hergestellt wurden. Gehalten wurden sie durch Hosenträger. Die Goldgräber rissen Strauss die Hosen förmlich aus der Hand, und schon bald eröffnete er in San Francisco den ersten "Jeans-Shop".

Als Schwachpunkte dieser Hosen sollten sich jedoch bald die Nähte herausstellen. Der Schneider Jakob Davis brachte Levi auf die Idee, die Nähte mit Nieten zu verstärken. Strauss folgte seinem Rat und meldete sogar ein Patent für solche Hosen an. Das geschah im Jahr 1873, und dieses Jahr gilt seitdem als Geburtsjahr der Jeans. Bald stieg Levi von der braunen Zeltplane auf Denim um, ein durch ein neues in Frankreich erfundenes Webverfahren hergestellter und ebenfalls sehr robuster Stoff, dem "Serge de Nimes".

Dieses feste Baumwollgewebe ließ Levi mit Indigoblau einfärben. Das machte die Hosen unverwechselbar. Seit 1886 wird als Markenzeichen noch ein Lederetikett mit zwei Pferden aufgenäht. Die Tiere versuchen, eine Hose zwischen sich zu zerreißen - ein Symbol für die Unzerstörbarkeit des Kleidungsstücks. Die Jeans bekamen die Produktionsnummer 501.

Den Siegeszug seiner Hose als Kultobjekt der Jugendkultur erlebte der Erfinder der Jeans nicht mehr mit. 1902 starb Strauss im Alter von 72 Jahren - da war die Jeans eine reine Arbeitshose.

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