Wirtschaft : Jede dritte Klinik steht vor dem Aus

McKinsey-Studie sieht vor allem große Häuser in Bedrängnis – und lobt die Berliner Kette Vivantes

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Frankfurt am Main - Ein Drittel aller deutschen Krankenhäuser steht in den kommenden Jahren vor dem Aus – obwohl sie sich um mehr Effizienz bemühen. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Unternehmensberatung McKinsey am Dienstag in Frankfurt am Main vorstellte. Die Klinken „sind trotz eines teils massiven Bettenabbaus, trotz Umstrukturierungen und verbesserter Abläufe auf absehbare Zeit nicht in der Lage, wirtschaftlich zu arbeiten“, sagte Rainer Salfeld, Direktor bei McKinsey. Vor allem kleinere Häuser mit nur wenigen Spezialabteilungen hätten auf Dauer die besten Chancen.

In der Studie zu den „Perspektiven der Krankenhausversorgung in Deutschland“ hat McKinsey rund 1600 Akutkrankenhäuser analysiert. „Knapp 600 drohen zu Verlierern des neuen Preissystems mit Fallpauschalen zu werden“, sagt Salfeld. Auf sie entfallen derzeit 41 Prozent aller Behandlungsfälle und mehr als 45 Prozent aller Kosten. Damit stünden die Kliniken vor der größten Herausforderung der Nachkriegszeit, obwohl zwischen 2000 und 2004 bereits fünf Prozent aller Betten abgebaut wurden.

McKinsey attestiert allerdings einigen Häusern erhebliche Fortschritte. Durch Umstrukturierungen und Einsparungen kommen in den besten Kliniken rein rechnerisch auf jeden Angestellten 80 Patienten, bei anderen Krankenhäusern liegt das Verhältnis bei 1 zu 21. Dabei dient sogar die Produktion in der Automobilindustrie als Vorbild: McKinsey hat zusammen mit Porsche einen „schlanken“ Managementansatz für die Uniklinik in Freiburg entwickelt, der Abläufe aus dem Autobau auf die Struktur des Krankenhausbetriebs überträgt.

Beispielhaft nennt Salfeld auch die Berliner Klinikkette Vivantes. „Sie hat seit 2001 die Produktivität in den klinischen Diensten um 70 Prozent gesteigert, und das ohne betriebsbedingte Kündigungen.“ Generell müssten die Krankenhäuser wegkommen von ihrem Abteilungsdenken, die Abläufe müssten auf den Patienten ausgerichtet werden. Die bessere Kooperation in den Kliniken ist nach Ansicht von Salfeld ohnehin schon deshalb geboten, weil die Patienten immer kürzer im Krankenhaus bleiben. Im Schnitt waren es 1995 noch 11,4 Tage, 2004 nur noch 8,4 Tage. Bis 2009 dürfte die Verweildauer auf sechs Tage schrumpfen.

Ein wichtiger Ansatz für die Überlebensfähigkeit der Kliniken sind der Studie zufolge nicht nur weitere Privatisierungen, sondern auch Krankenhausverbünde, weil so die Kosten für Verwaltung, Einkauf und Logistik gedrückt werden könnten. Als Beispiel nennt die Studie die Verbünde in Berlin, Hamburg, München oder der Pfalz. Generell beziffert Salfeld das mögliche Einsparvolumen der Akut-Krankenhäuser auf fünf Milliarden Euro bei einem Gesamtaufwand von 66 Milliarden Euro. Der Kostenaufwand pro Patient von derzeit 2800 Euro könne auf rund 2500 Euro gesenkt werden.

Mittel- und langfristig haben der Studie zufolge drei Kliniktypen die besten Chancen zu überleben: Spezialisierte Häuser mit bis zu drei Fachrichtungen und 150 Betten, Allgemeinkrankenhäuser mit einem breiten Leistungsspektrum und 200 bis 400 Betten sowie Häuser der Schwerpunkt-Maximalversorgung mit 500 bis 700 Betten. „Die Regel ,Je größer, desto besser’ hat ausgedient“, so das Fazit.

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