Jede Menge Ärger : US-Behörden ermitteln gegen Google

Der Siegeszug von Google könnte gebremst werden. Neben dem Aus für seinen Gesundheitsdatendienst hat Google Ärger mit den US-Wettbewerbsbehörden.

Milliarden mit dem Internet: Google ist die größte Suchmaschine.
Milliarden mit dem Internet: Google ist die größte Suchmaschine.Foto: AFP

Berlin - Jahrelang ging es für Google nur in eine Richtung – bergauf. Immer mehr Nutzer, immer mehr Anzeigenkunden, immer neue Dienste – für die Markenforscher von Millward Brown ist das US-Internetunternehmen mit einem Wert von 114,2 Milliarden Dollar die weltweit teuerste Marke. Doch der Siegeszug könnte jetzt gebremst werden. Am Samstag verkündete Google das Aus für seinen Gesundheitsdatendienst und seinen intelligenten Stromzähler. Noch schwerer wiegt jedoch der Konflikt mit den US-Wettbewerbsbehörden.

„Gestern haben wir eine Benachrichtigung der Handelsbehörde FTC erhalten, nach der sie eine Überprüfung unseres Geschäfts eingeleitet hat“, gab Google am Freitag in seinem Firmenblog bekannt. Man werde mit der Behörde zusammenarbeiten, hieß es weiter. „Es ist noch unklar, welches Anliegen die FTC genau hat.“

Das „Wall Street Journal“ scheint Genaueres zu wissen. Das Blatt hatte bereits am Donnerstag von der bevorstehenden Untersuchung berichtet. Diese drehe sich um Googles Vormachtstellung auf dem Suchmaschinen-Markt. Konkret geht es darum, ob der Konzern seine Stellung ausnutzt, um kleinere Rivalen zu unterdrücken. Nach Informationen der „Financial Times“ haben sich auch die Generalstaatsanwälte von Kalifornien, New York und Ohio des Falls angenommen.

Die Untersuchungen, die in ein Kartellverfahren münden könnten, sind für Google gefährlich. Denn die Internet-Suche ist das Kerngeschäft des Unternehmens und beschert Google Milliardengewinne. Der Konzern verkauft Anzeigen passend zu den Suchergebnissen – mögliche Auflagen könnten also bedeuten, dass das Unternehmen in Zukunft sehr viel weniger Geld einnimmt.

In den USA laufen mehr als 60 Prozent der Internet-Suchanfragen über Google, in einzelnen Teilen Europas sind es sogar 90 Prozent. In vielen Regionen ist Microsofts Suchmaschine Bing die einzig verbliebene relevante Konkurrenz. Die EU-Kommission hat deshalb bereits Ende vergangenen Jahres eine eigene Untersuchung eingeleitet, nachdem sich Rivalen über ihrer Ansicht nach unlautere Geschäftsmethoden beschwert hatten – darunter auch Microsoft. Pikant: Microsoft war in der Vergangenheit selbst mehrfach mit den Kartellwächtern aneinander geraten. In den USA hatte der US-Konzern vor zehn Jahren einen Vergleich mit den Behörden geschlossen, die wegen Missbrauchs der marktbeherrschenden Stellung des PC-Betriebssystems Windows ermittelt hatten. Microsoft hatte sich damals verpflichtet, Software-Herstellern mehr Informationen für die Einbindung ihrer Programme in Windows zur Verfügung zu stellen. Noch bis Mai dieses Jahres hatte Microsoft – vorsichtshalber – unter staatlicher Beobachtung der Kartellbehörden gestanden.

Neben der Internet-Suchmaschine ist Google in den vergangenen Jahren in immer neue Bereiche vorgedrungen, vom Einscannen von Millionen Büchern bis hin zum umstrittenen Geodienst „Google Street View“. Zwei der Projekte werden jetzt eingestellt.

Mit dem nur in den USA verfügbaren Dienst „Google Health“ können Nutzer Informationen zu Gesundheitszustand, Fitness, Arztbesuchen sowie Untersuchungsergebnisse und Laborbefunde in einem digitalen Aktenschrank speichern. Beim Stromzähler-Projekt „Google PowerMeter“ können Nutzer in Verbindung mit einem digitalen Stromzähler ihren Stromverbrauch am Computer überwachen und möglichen Energiefressern auf die Spur kommen. Beide Dienste seien in ihren Bereichen „Wegbereiter“, betonte Google am Samstag. Sie hätten jedoch nicht schnell genug Kunden gewinnen können. hej/dpa/rtr

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