Wirtschaft : Jeder Fünfte arbeitet in Teilzeit

Grüne verteidigen gesetzlichen Anspruch / Positive Wirkung auf Produktivität und Beschäftigung

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Berlin (ce). Die Grünen sehen ein großes Potenzial für mehr Teilzeitjobs auf dem Arbeitsmarkt. „Vor allem bei den Männern kann sich noch etwas tun“, sagte die stellvertretende GrünenFraktionsvorsitzende Thea Dückert dem Tagesspiegel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeiten derzeit knapp 40 Prozent der berufstätigen Frauen auf einer reduzierten Stelle, bei den Männern sind es nur fünf Prozent.

Zu Beginn des Jahres 2001 hatte die rot-grüne Bundesregierung ein gesetzliches Recht auf Teilzeit eingeführt. Danach haben Beschäftigte, die mehr als ein halbes Jahr in einem Betrieb mit mehr als 15 Arbeitnehmern angestellt sind, das Recht auf eine Verkürzung ihrer vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Der Arbeitgeber muss zustimmen, wenn nicht dringende betriebliche Gründe dagegen sprechen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes arbeitet gut jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland in Teilzeit. Absolut waren das rund 6,8 Millionen Menschen im April 2001, teilte die Behörde am Freitag mit. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten stieg in den vergangenen zehn Jahren deutlich – um fast sieben Prozentpunkte auf knapp 21 Prozent. Deutschland steht in Europa damit an Platz vier. Mehr als 300 000 Teilzeitarbeiter kamen nach Angaben des Arbeitsministeriums seit Inkrafttreten des neuen Gesetzes hinzu. Nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) können langfristig bis zu einer Millionen zusätzliche Arbeitsverhältnisse geschaffen werden.

Entgegen den „Unkenrufen“ der Kritiker habe das Teilzeitgesetz „nicht zu übermäßigem Streit geführt“, sagte die grüne Arbeitsmarktexpertin Dückert. Zu dem Ergebnis kommt auch eine aktuelle IAB-Studie. Nur 3,5 Prozent der westdeutschen und 1,4 Prozent der ostdeutschen Betriebe lehnten Anträge ab, vor allem kleinere Unternehmen.

Für die Kollegen kann laut IAB die Ausweitung von Teilzeit Mehrarbeit mit sich bringen. So wurden in rund einem Drittel der Fälle Aufgaben auf andere Beschäftigte verlagert, bei weiteren 22 Prozent fielen die Aufgaben einfach weg oder wurden rationeller erledigt. Die Umwandlung von Vollzeit- in Teilzeitstellen habe aber nicht nur positive Wirkungen auf die Produktivität, sondern auch auf die Beschäftigung. In 15 Prozent der Fälle wurden Mitarbeiter eingestellt – in 19 Prozent wurde Personalabbau vermieden.

In Westdeutschland und im Osten nahmen die Beschäftigten allerdings aus sehr unterschiedlichen Gründen einen Teilzeitjob an, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Westen gaben 67 Prozent der Frauen persönliche und familiäre Gründe an, im Osten nur 21 Prozent (Männer: 12 und fünf Prozent). Für mehr als die Hälfte der Frauen und ein Drittel der Männer in den neuen Bundesländern ist der Teilzeitjob eher eine Notlösung. Diese Personen sagten, sie hätten keine Vollzeitstelle gefunden. Im Westen waren es dagegen nur sechs Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer.

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