Wirtschaft : Jeder fünfte Deutsche will T-Online-Aktien

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Telekom verspricht eine faire Zuteilung der 35 bis 50 Euro teuren Wertpapiere, lediglich eigene Kunden werden bevorzugtbb

"Fair und transparent" soll es zugehen beim Börsengang der Telekom-Tochter T-Online. Das zumindest verspricht Telekom-Chef Ron Sommer. Ein Notar soll die Zuteilung der Aktien beobachten. Das wird viele Anleger interessieren, denn jeder fünfte Deutsche will beim Börsengang der Telekom-Tochter T-Online Aktien zeichnen, wie eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Anlegermagazins "Börse Online" ergab. Unter den besser Verdienenden mit einem Haushalts-Nettoeinkommen von 6500 Mark planen sogar mehr als 40 Prozent, Aktien des größten europäischen Online-Dienstes zu erwerben. Eine mehrfache Überzeichnung der Papiere ist bereits abzusehen, denn nur etwa zehn Prozent des Grundkapitals oder etwa 100 Millionen Aktien werden an den Markt kommen. Der Börsengang ist für den 17. April geplant, die Zeichnungsfrist beginnt am kommenden Montag. Am gleichen Tag wird auch die Preisspanne und das Börsensegment bekannt gegeben.

Inoffiziellen Stellungnahmen zufolge soll sich der Aktienpreis zwischen 35 und 50 Euro pro Stück bewegen. Der Wert des gesamten Unternehmens würde damit zwischen 35 und 50 Milliarden Euro liegen. Ein Analyst einer beteiligten Konsortialbank bestätigte dem Tagesspiegel, dass die Preisspanne pro Wertpapier sehr breit sein werde, da die Banken sich nicht auf ein einheitliche Bewertung einigen konnten. Der Wert des Internet-Dienstleisters richte sich unter anderem nach der Zahl der Kunden und dem Umsatz. Gewinne werde T-Online auch in diesem Jahr noch nicht machen.

Vermutungen, dass der Emissionskurs von T-Online am oberen Ende der Preisspanne liegen werde, weist die Telekom zurück. "Wir sind nicht an einem kurzen kometenhaften Börsen-Aufstieg interessiert, sondern an der langfristigen Entwicklung des Unternehmens", sagt Telekom-Sprecher Stephan Broszio.

An dem Plan, die eigenen Kunden zu bevorzugen, will die Telekom festhalten. Nachdem sich T-Online außergerichtlich mit dem Konkurrenten AOL Europe geeinigt hat, bekommen nun diejenigen bessere Chancen bei der Aktienzuteilung, die schon vor dem 24. März T-Online-Kunden waren und bis zum 31. März an der Zufriedenheitsstudie des Internet-Providers teilnehmen. Bisher sind schon 600 000 ausgefüllte Fragebögen an das Unternehmen zurückgegangen.

Sollte sich die Telekom für eine prozentuale Zuteilung der T-Online-Aktien entscheiden, dann bekommen Umfrage-Teilnehmer mehr Papiere. Sie erhalten dann zum Beispiel 15 Prozent, wenn die anderen zehn Prozent der gezeichneten Papiere bekommen - je nach Höhe der Überzeichnung. Werden die Papiere verlost, dann sei es möglich "dass wir dann drei Mal für sie in die Trommel greifen, statt nur einmal", erklärt Broszio. Welches der beiden Zuteilungsverfahren gewählt wird, oder ob sich eine Mischform durchsetzt, entscheidet das Unternehmen erst am Ende der Zeichnungsfrist nach dem 12. April. Spätestens am 16. April muss die Telekom den endgültigen Ausgabepreis nennen.

Den "Fairness"-Beteuerungen des Konzerns zum Trotz bemängeln Kritiker, dass nur ein kleiner Teil des Unternehmens an die Börse geht, obwohl das Interesse der Anleger riesig ist. So werde der Aktienpreis vor dem Börsengang gezielt nach oben getrieben. Allerdings haben sich bisher nicht alle Investitionen in Internet-Unternehmen für die Anleger gelohnt. So waren in den vergangenen Wochen die Kurse mehrerer Firmen wie Travel24.com, Lastminute.com und Lycos Europe nach ihrem Börsengang unter die Ausgabekurse gesunken.

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