Wirtschaft : Jeder Fünfte will nicht ins Netz

Kluft zwischen Ost und West bei Internetnutzung

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Berlin - Knapp drei Viertel der Deutschen sind online. Die Zahl der Internetnutzer über 14 Jahren hat sich hierzulande in den vergangenen zehn Jahren auf 52,7 Millionen verdoppelt. Das ergab der (N)Onliner-Atlas 2011, eine aktuelle Studie der Initiative D21, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf Platz sieben. An der Spitze liegen Island, Norwegen und Schweden. Dort nutzen jeweils mehr als 90 Prozent der 16- bis 74-Jährigen das Internet.

Die Studie zeigt zugleich, dass etwa 18 Millionen Menschen hierzulande immer noch vom weltweiten Datennetz abgeschnitten ist. Mehr noch: Gut jeder fünfte Deutsche will gar nicht ins Netz. Die Offliner, also diejenigen, die auch in den kommenden zwölf Monaten keine Internetnutzung planen, leben vor allem in Ostdeutschland. Und die Kluft zwischen Ost und West schließt sich nur langsam: In Brandenburg etwa stieg die Zahl der Internetnutzer zuletzt nur geringfügig, obwohl der Anteil der Nutzer hier mit 68,4 Prozent ohnehin nur sehr gering ist. Berlin dagegen liegt mit einer Online-Quote von 79,3 Prozent bei den über 14-Jährigen auf dem zweiten Platz.

Insgesamt sind mehr Männer (80,7 Prozent) als Frauen (68,9 Prozent) online und mehr Jüngere als Ältere. In der Gruppe der über 50-Jährigen nutzen nur noch etwas mehr als die Hälfte das Internet. Unter den Schülern gibt es dagegen kaum noch welche, die keinen Zugang zum Internet haben. Danach gilt: Je höher der formale Bildungsgrad, desto höher ist der Anteil der Internetnutzer. Für den (N)Onliner-Atlas 2011 führte das Umfrageinstitut TNS Infratest zwischen März und Mai dieses Jahres 30 719 Telefoninterviews durch. Was die Nutzer allerdings im Netz treiben, untersucht die Studie nicht.

75,7 Prozent der Internetnutzer setzen ihren Computer oder Laptop für Bankgeschäfte ein. Das ergab eine zweite Studie von TNS Infratest zum Onlinebanking im Auftrag der Fiducia Gruppe, dem IT-Dienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken. Dabei kam ein für die Branche alarmierendes Ergebnis heraus: Das Vertrauen der Kunden ins Onlinebanking ist zuletzt signifikant gesunken. Aktuell fühlen sich nur noch knapp 70 Prozent der Nutzer sicher vor Betrug, wenn sie online Bankgeschäfte abwickeln. 2009 hatte die Quote noch bei mehr als 90 Prozent gelegen. Gleichzeitig ist zwar auch die Zahl der Nutzer gestiegen, die bereit ist, für mehr Sicherheit im Onlinebanking auch Geld auszugeben. Ihr Anteil ist insgesamt allerdings immer noch vergleichsweise gering: 56,1 Prozent wollen ausschließlich kostenlose Transaktionen. Corinna Visser

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