Wirtschaft : Jeder zweite Firmenkauf scheitert

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Vorstände und Top-Manager börsennotierter Unternehmen in Deutschland unterschätzen in vielen Fällen die Risiken von Übernahmen. „Jede zweite Transaktion vernichtet Unternehmenswert“, sagte Joachim Spill, Partner der Unternehmensberatung Ernst&Young, bei der Vorstellung einer neuen Studie über Unternehmens-Übernahmen am Dienstag in Frankfurt am Main. „Nur jede dritte Übernahme oder Fusion schafft erheblich mehr Wert.“ Hauptproblem bei den Fehlschlägen ist die mangelnde Umsetzung der Integration des neuen Unternehmens. Spill: „Das ist der Erfolgskiller Nummer eins.“

Zuletzt hatte es in Deutschland zahlreiche Firmenkäufe gegeben – Bayer hatte Schering gekauft, der Gase-Hersteller Linde den britischen Konkurrenten BOC, BASF den US-Konzern Engelhard. 2005 gab es Transaktionen für 113 Milliarden Euro.

Fusionen bieten der Studie zufolge große Chancen, eine Konsolidierung sei in vielen Branchen unausweichlich. „Aber so groß wie die Chance ist auch das mit ihm verbundene Risiko.“ Dieses werde immer wieder unterschätzt, sagt Spill. Mit der Folge, dass nur die Hälfte der Übernahmen – etwa im Fall Novartis und Hexal – gelingt, bei der anderen Hälfte aber nach drei Jahren das Scheitern registriert wird, was sich im gesunkenen Börsenwert widerspiegelt.

Geschludert wird oft, so die Analyse von 200 Transaktionen börsennotierter Firmen in Deutschland seit 1992, schon bei der Vorbereitung und der Analyse der Kaufobjekte. Synergiepotenziale müssten exakt bestimmt, der Kaufpreis realistisch erarbeitet, ein solides Finanzierungskonzept erstellt, das Marktvolumen ermittelt werden, riet Spill.

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