Wirtschaft : Jenoptik am Umsatzziel von drei Mrd.DM

BERLIN (asi).Dem Technologiekonzern Jenoptik ist es im vergangenen Jahr erstmals gelungen, die Umsatzschwelle von drei Mrd.DM zu überwinden.Nach einem Umsatz von 2,61 Mrd.DM im Jahr 1997 konnte das Unternehmen aus dem thüringischen Jena das Geschäft im vergangenen Jahr um 19,7 Prozent auf 3,13 Mrd.DM ausweiten.

Der Gewinn blieb allerdings weit hinter den Erwartungen zurück.Wie Lothar Späth, Vorstandschef der Jenoptik AG, am Mittwoch zur Bilanzvorlage sagte, sank der Jahresüberschuß 1998 im Vergleich zum Vorjahr (59,9 Mill.DM) um knapp 30 Prozent auf 43,3 Mill.DM.Verantwortlich dafür machte Späth neben den Kosten für den Börsengang (18,5 Mill.DM) in erster Linie den Aufwand für das Kostensenkungsprogramm im Unternehmensbereich Telecommunications (29,6 Mill.DM), an dessen Spitze die Berliner Krone AG steht.Dennoch kündigte Späth an, daß der Vorstand der Hauptversammlung am 31.Mai 1999 in Erfurt vorschlagen wird, den Anlegern eine Dividende von 0,75 DM pro Aktie zu zahlen.

Auch für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Vorstandschef, der seinen noch drei Jahre laufenden Vertrag nicht verlängern will, offenbar keine bedeutende Ergebnisverbesserung.Obwohl das Jahr "gut angelaufen" sei, stellte Späth den Aktionären nur einen "stabilen Jahresüberschuß" in Aussicht.Jenoptik werde "noch einige Jahre in der Umstrukturierung stecken", sagte Späth und schloß weitere Allianzen und Verkäufe nicht aus.Geschäftsfeldern und Unternehmensteilen, deren Ertragskraft und Kapitalrendite "nicht den Kriterien des Vorstandes entsprechen", kündigte Späth "kritische Untersuchungen" an.

Was das im Detail heißt, erfahren die Mitarbeiter des Jenoptik-Konzernbereiches Telecommunications bereits jetzt.Seit Juli vergangenen Jahres arbeitet der Vorstand der Berliner Krone AG ein rund 30 Mill.DM teures Sanierungsprogramm ab.Es wurde notwendig, weil sich die Vorleistungen zur Entwicklung des Wireless Local Loop (eines Systems zur drahtlosen Telefonübertragung) und Verluste in russischen und asiatischen Märkten auf 20,8 Mill.DM summierten (Vorjahresgewinn: 35,8 Mill.DM).

Neben einer ganzen Reihe struktureller Veränderungen kostet die negative Entwicklung in Jena mindestens 68 und in Berlin mindestens 40 Mitarbeiter ihren Job.Der Standort Berlin, sagte Späth in Jena, werde zudem künftig wie ein eigenes Profit Center mit Ergebnisverantwortung geführt.

Tragende Säule des Konzerns bleibt das Geschäftsfeld Clean Systems.Angeführt von der verschmolzenen M + W Zander AG (Meißner & Wurst, Stuttgart und Zander, Nürnberg) gelang es den High-tech-Fabrikenbauern, sowohl ihr Geschäft auszuweiten als auch ertragreich zu arbeiten.Als Beleg für das nahende Ende der weltweiten Krise im Halbleitermarkt bezeichnete Konzernchef Späth am Mittwoch einen 540 Mill.DM teuren Auftrag zum Bau eines Chipwerkes in Malaysia.Zudem errichtet der Jenoptik-Konzernbereich in Frankfurt (Main) die weltgrößte Anlage zur Herstellung von inhalierbarem Insulin.

Neben der Entwicklung von technologischen Lösungen zur Herstellung und dem Betrieb von Reinstraum-Fabriken setzt M + W Zander auch auf den Ausbau des Unternehmensbereiches Facility Management.Späth benannte bereits erste Aufträge für den Betrieb ganzer Gebäudekomplexe - beispielsweise in Aachen, Berlin, Düsseldorf und der Schweiz.

Achtungserfolge hat in den vergangenen Monaten offenbar der Konzernbereich Photonics errungen.In erster Linie sei der auf rund elf Mill.DM gewachsene Gewinn und der Umsatz von rund 318 Mill.DM auf Erfolge der Jenaer Laser, Optik, Systeme GmbH zurückzuführen, sagte Späth.Der thüringische Technologie-Nukleus, dessen Chancen noch vor einigen Jahren als nur gering angesehen wurden, habe vor allem wegen eines 50 Mill.DM teuren Rahmenvertrages mit Ciba Vision von sich reden gemacht, so Späth.In Jena werde der Konzern deshalb etwa 45 Mill.DM investieren.Auch bei dem dazu erworbenen Rüstungsbauer ESW Extel in Hamburg wird Jenoptik rund sechs Mill.DM investieren, um die Fertigung von Radarkuppeln des neuen Nato-Jagdflugzeuges Eurofighter EF 2000 sicherzustellen.

Bereits vor wenigen Wochen hatte Späth angekündigt, den Geschäftsbereich Asset Management im Konzern künftig auf eine Ebene mit den Fertigungsbereichen zu heben.In diesem Unternehmensteil will Späth das Management im Immobilienbereich zusammenfassen und neue Geschäftsfelder erschließen.Unter Einsatz eines Risikokapital-Fonds soll der vierte Jenoptik-Geschäftsbereich in Zukunft junge Unternehmen entwickeln und schließlich an der Börse plazieren.

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