Wirtschaft : Jenoptik teilt Trostpflaster aus

ANTJE SIRLESCHTOV

Auch die Dividende des ersten Börsenjahres kann allenfalls ein Trostpflaster sein.Den mutigen Jenoptik-Aktionären bleibt auch nach der ersten Hauptversammlung des Technologie-Unternehmens nicht viel mehr als Hoffnung auf bessere Zeiten.Doch das ist zuwenig für einen Wert, der den Anlegern vor knapp zwölf Monaten als Wachstumstitel verkauft wurde.Eine Aktionärin brachte es am Montag auf den Punkt."Bei Jenoptik verspricht die Verpackung mehr, als drin ist."

Verpackt hat den jungen Börsenwert kein geringerer als Lothar Späth.In der Tat schien Späth alles richtig zu machen, als er in ganz Deutschland nach marktstarken, aber wachstumsschwachen Familienunternehmen Ausschau hielt und diese der Jenoptik einverleibte.Die müden (West-)Unternehmen erhielten die Chance auf neue, dringend notwendige Technologie- und Kapitalspritzen.Späths ostdeutsche Hightech-Schmieden bekamen von heute auf morgen Vertriebsnetze in aller Welt.Solch eine Mischung sah nach ordentlichen Renditen aus.Nur läßt sich manche erfolgversprechende technologische Lösung bis heute nicht verkaufen.

Mit jeder Hiobsbotschaft steigt die Nervosität der Belegschaft, die sich - neuerdings und völlig unüblich für das Jenaer Unternehmen - mit dem Vorstand in tarifpolitischen Streitigkeiten verhakt.Dazu kommt die anhaltende Ertragsschwäche des Berliner Zukaufs Krone AG.Die Jenaer stellten fest, daß Marktorientierung und Kostenbewußtsein der Telekommunikationssparte des Konzerns ganz und gar nicht ihren Vorstellungen entsprachen.Der Namensgeber Klaus Krone scheint seinem Lebenswerk nicht mehr zu trauen: Die Aktionäre registrierten am Montag, daß sich Krone aus dem Firmenmanagement zurückgezogen und seine Jenoptik-Aktien verkauft hat.

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