Wirtschaft : Jenoptik will sich offenbar von Krone trennen

JENA/MÜNCHEN . Der Technologiekonzern Jenoptik AG, Jena, will nach einem "Focus"-Bericht seine Berliner Telekommunikationstochter Krone AG verkaufen. Jenoptik solle bis Jahresende umgebaut und auf zwei High-Tech-Sparten und das Risikokapitalgeschäft beschränkt werden. Vorstandschef Lothar Späth müsse sich von den großen Verlustbringern trennen, berichtet das Magazin. Auf der Verkaufsliste von Späth stehe neben Krone auch die Jenaer Infab GmbH, die für Chip-Fabriken Automatisierungstechnik baut.Ein Jenoptik-Sprecher wollte am Sonntag zu dem Bericht keine Angaben machen. Er verwies auf die Aussage von Späth, alle Geschäftsfelder ständen auf dem Prüfstand. Späth war auf der Hauptversammlung Ende Mai von Aktionären wegen risikoreicher und unübersichtlicher Beteiligungen kritisiert worden. Er hatte wiederholt die Trennung von unrentablen Bereichen und den Ausbau des Kerngeschäfts angekündigt. Jenoptik beschäftigt derzeit rund 8500 Mitarbeiter. Laut "Focus" soll Jenoptik nach den Verkäufen nur noch auf zwei industriellen Säulen stehen: Der Reinraum- und Gebäudetechnik, die 1998 fast zwei Drittel zum Gesamtumsatz von 3,1 Mrd. DM beisteuerte, sowie der Optoelektronik mit Laser-, Fahrzeug- und Militärtechnik."Im Fall der defizitären Krone AG wird davon ausgegangen, daß die Beteiligung bald ganz oder teilweise verkauft sein wird", heißt es in dem "Focus"-Bericht. Ein 30 Mill. DM teures Restrukturierungsprogramm für Krone hatte 1998 den Ertrag der Jenoptik AG belastet. Späth hatte bisher nur einen Verkauf des verlustreichen Teilbereiches stationäre Funktechnik, nicht aber der gesamten Krone AG mit einem Umsatz von über 600 Mill. DM in Aussicht gestellt. Unter Berufung auf Branchenkreise berichtete das Magazin weiter, Späth sei bereit, bei Infab die Mehrheit der Anteile abzugeben. Es gebe bereits Gespräche mit Interessenten in den USA. Späth hatte in den vergangenen Wochen erklärt, daß für den relativ kleinen Bereich Fabrikautomation ein Partner gesucht werde.Einschnitte soll es laut "Focus" auch bei der Software-Sparte von Jenoptik mit der Konzentration auf Krankenhaus-Programme geben. "Ich muß einen Schnitt machen und einen wesentlichen Teil der Jenoptik bis Jahresende ordnen", wird Späth zitiert. Im Industriebereich erwarte er in diesem Jahr einen Gewinn von rund 50 Mill. DM.

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