Wirtschaft : Jerini erwartet 2006 höheren Verlust

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Das Berliner Pharma-Unternehmen Jerini erwartet im Laufe des nächsten Jahres die Zulassung seines wichtigsten Arzneimittels Icatibant für Europa und Nordamerika und damit die ersten Umsätze im Medikamentengeschäft. Das Mittel wirkt gegen die Erbkrankheit Hereditäres Angioödem, die zu lebensbedrohlichen Schwellungen führen kann. Weitere Wirkstoffe für die Bereiche Augenheilkunde, Onkologie und Entzündungen seien auf gutem Weg, sagte Vorstandschef Jens Schneider-Mergener am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Frankfurt am Main. Erst für 2009 erwartet das Unternehmen zum ersten Mal schwarze Zahlen. 2006 werde sich der Verlust noch einmal deutlich ausweiten.

Das Berliner Unternehmen war Anfang November an die Börse gegangen und hatte dadurch frisches Kapital in Höhe von 49,6 Millionen Euro eingesammelt. Private Investoren brachten 2005 zudem rund 37 Millionen Euro ein. Das Geld aus dem Börsengang fließt fast ausschließlich in den Aufbau der Vertriebs- und Marketingorganisation für Icatibant in Europa. Die Jerini-Belegschaft wuchs insgesamt um rund ein Drittel auf 113.

Größte Aktionäre sind verschiedene Risikokapitalgesellschaften. Aber auch die Deutsche Bank-Tochter DWS, Europas größter fürs breite Publikum offene Fonds, hält rund sieben Prozent an Jerini.

Nicht nur wegen der bislang erfolgreichen Entwicklung von Icatibant, sondern auch wegen der mit knapp 97 Millionen Euro gut gefüllten Kasse ist Schneider-Mergener zuversichtlich. In Europa sind etwa 10 000 Menschen von der Krankheit betroffen, die Icatibant kurieren soll. Schneider-Mergener schätzt das jährliche Umsatzpotenzial in Europa und den USA auf etwa 500 Millionen Euro. „Wir wollen davon etwa 200 Millionen Euro auf uns ziehen“, sagte er.

Noch erwirtschaftet Jerini seine Umsätze aus Kooperationsvereinbarungen und Dienstleistungen. 2005 waren es 9,6 Millionen Euro – 49 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Forschungs- und Entwicklungsaufwand stieg von 12,3 auf 18,9 Millionen Euro. Der Verlust lag bei 15,3 Millionen Euro nach 14,6 Millionen im Vorjahr.

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