Wirtschaft : Jerini will über die Börse 64 Millionen Euro holen Berliner Biotechfirma startet am 1. November

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Frankfurt am Main/Berlin Das Berliner Pharma-Unternehmen Jerini will mit dem Börsengang zwischen 57 und 64 Millionen Euro einnehmen. „Wir sind jetzt einfach reif für die Börse“, sagte Vorstandschef Jens Schneider-Mergener am Montag in Frankfurt. Die Aktie soll am 1. November zum ersten Mal in Frankfurt gehandelt werden. Die rund 17,8 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung, die bis 31. Oktober gezeichnet werden können, kosten zwischen 3,20 und 3,60 Euro, kündigte der Jerini-Chef an. Er geht davon aus, dass die Aktie vor allem für institutionelle Investoren interessant ist. Mit dem Geld aus dem Börsengang will das Unternehmen die Marketing- und Vertriebskosten für sein Medikament Icatibant finanzieren und die Entwicklung weiterer Arzneimittel vorantreiben.

Auch die Biotechfirma 4SC, die Krebsmittel entwickelt, kündigte am Montag einen Börsengang möglicherweise noch in diesem Jahr an. „Das sind Einzelfälle“, sagte Siegfried Bialojan von dem Beratungsunternehmen Ernst&Young dieser Zeitung. „Es gibt nicht viele Kandidaten in Deutschland, die die nötige Reife haben.“ Ob in absehbarer Zeit noch mehr Biotechfirmen Jerini folgten, hänge davon ab, wie erfolgreich der Börsengang sein werde. Im vergangenen Jahr hatte das Berliner Biotechunternehmen Epigenomics den Schritt aufs Parkett gewagt, Anfang 2005 war Paion gefolgt. Beide hatten den Ausgabepreis mangels Nachfrage senken müssen. „Das hat die Motivation für andere gebremst“, sagte Bialojan.

Jerini-Chef Schneider-Mergener rechnet 2006 mit der Zulassung seines Mittels Icatibant, 2007 soll der Verkauf beginnen. Icatibant wird gegen die Erbkrankheit Angioödem eingesetzt, die zu lebensbedrohlichen Schwellungen führen kann. Banken und Analysten erwarten bei Jerini frühestens 2009 den ersten Gewinn.

Das Berliner Unternehmen mit Sitz in Mitte hat seit dem Jahr 2000 rund 71 Millionen Euro bei Beteiligungsfirmen eingesammelt, davon sind vor dem Börsengang noch rund 40 Millionen Euro übrig. Experten schätzen das jährliche Umsatzpotential von Icatibant in Europa und den USA auf etwa 500 Millionen Euro. Nach dem Börsengang sollen rund 35 Prozent der Aktien in Streubesitz liegen. Etwa 53 Prozent werden dann von Beteiligungsfirmen gehalten. Vorstand und Aufsichtsrat werden mit rund 7,4 Prozent beteiligt sein. ro/pet

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