Wirtschaft : Jetzt kommt die Stunde der Bären (Kommentar)

Daniel Rhee-Piening

Der Börsentag 5. April 2000 wird wohl in die Geschichte eingehen. In London kam für lange Zeit überhaupt kein Handel zustande, an den europäischen Börsen insgesamt gab es am Nachmittag nur noch ein Thema: Die geplatzte Fusion zwischen Deutscher und Dresdner Bank. Dies beeinflusste allerdings die Kurse nur wenig, denn beide Titel wurden am Nachmittag für einige Stunden vom Handel ausgesetzt.

Die Anleger aber hatten schon vorher die Richtung vorgegeben: Abwärts. Die schon gebetsmühlenartig vorgetragenen Warnungen vor völlig unrealistischen Bewertungen der Technologie- und vor allem der Internet-Titel zeigen Wirkung. Der Zug von der New Economy zur Old Economy gewinnt immer mehr an Fahrt und verunsichert die Investoren. Die Fonds retten ihre Gewinne und die Kleinanleger steigen aus. Nun zeigt sich, dass am Neuen Markt und an der Nasdaq zuletzt vor allem die Hausse die Hausse nährte. Nun drückt die Baisse die Baisse, und diese Tendenz wird wohl noch eine Weile anhalten. Die Analysten, die eine solche Entwicklung schon mehrheitlich am Jahresanfang vorausgesagt hatten, sehen sich bestätigt. Die Bären, die Pessimisten, wachen wieder auf und erwarten eine dauerhafte Aufwärtsbewegung erst wieder im Herbst.

Betroffen sind vor allem Anleger mit spekulativen Titeln und nicht zuletzt unsichere Kandidaten am Neuen Markt. Von den Internetfirmen wird es 70 Prozent in fünf Jahren nicht mehr geben, haben Investmentbanker geschätzt. Die Stunde der Wahrheit ist nähergerückt. Der konservativ orientierte Anleger, der seiner Strategie treu geblieben und dafür zuletzt belächelt worden ist, aber kann sich zurücklehnen und warten.

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