Wirtschaft : Jetzt kommt es auf die Gläubiger an

Braucht Argentinien einen Gläubigerschutz, wie er US-Firmen durch das "Chapter 11" im amerikanischen Konkursrecht zugebilligt wird? Das wäre sicher die beste und einfachste Lösung für das Land, das nach vier Jahren Rezession jetzt am Abgrund steht. Ganz so wie der weltgrößte Energiehändler Enron, der dieser Tage Insolvenz anmelden musste. Enron beantragte Gläubigerschutz, um weiter arbeiten zu können, das Geschäft zu stabilisieren, das Kapital zu schützen und neues Vertrauen zu seinen Partnern aufzubauen. Gleichzeitig wird ein Umstrukturierungsplan ausgearbeitet, um Forderungen der Gläubiger nachkommen zu können. "Chapter 11" könnte der Regierung in Buenos Aires jetzt den erforderlichen Spielraum verschaffen. Nur, Argentinien ist nicht Amerika und der argentinische Staat kein Privatunternehmen. Und so wie es aussieht, ist das Land kommende Woche pleite. Eine ungewöhnliche Vorstellung. Aber durchaus kein neues Phänomen. Schon Länder wie Ecuador oder die Ukraine wurden zahlungsunfähig und schuldeten in großem Stil um. Auf Kosten der Gläubiger, die - im Fall Ecuador - Abschläge von rund 40 Prozent in Kauf nehmen mussten. In Argentinien ist die Entwicklung ähnlich. Der IWF lehnt jedenfalls zusätzliche Hilfe bis auf weiteres ab. Und das zu Recht. Denn auf Wirtschaftsminister Cavallo ist kein Verlass. Ihm fehlt nicht nur ein schlüssiges Konzept. Er sieht auch nicht ein, dass er mit seiner Währungspolitik, der strikten Bindung des Peso an den Dollar, sein Land erst in die Pleite manövriert hat. Es ist Zeit, dass Argentinien Verantwortung für sich selber übernimmt.

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